Sonntagnachmittag in Potsdam: Es ist wieder Zeit für einen Rucksack-Test. Heute beschäftigen wir uns mit dem Gregory Optic 58, einem ultraleichten Trekkingrucksack mit vielen Features aus der aktuellen 2018er Serie.

Der amerikanische Rucksackhersteller Gregory hat mit dem Optic 58 einen völlig neuen Leichtgewichtsrucksack konzipiert, der sich auf dem hartumkämpften Markt für Ultralight Backpacks beweisen muss. Ob dies dem Gregory Optic 58 gelingt, liest du in meinem ausführlichen Erfahrungsbericht.

Ultralight Backpack Gregory Optic 58 Rucksack Testbericht Gregory Octal 55

Der Gregory Optic 58 im Test

Mit dem Gregory Optic 58 greift Gregory aktiv den Outdoormarkt für Ultralight-Rucksäcke an. Neben dem Optic 58 gibt es des Rucksack auch als Optic 48 (48 Liter Volumen) und als Frauenrucksack Octal 55 sowie Octal 45. In diesem Review geht es aber primär um den Männerrucksack Optic 58, auch wenn die Unterschiede zur Frauenversion nur gering sind.

Fakten zum Gregory Optic 58

Schauen wir uns den Optic genauer an…

Trekkingrucksack Test burning feet

Wie souverän schlägt sich der Gregory Optic 58 in der Praxis?!

 

Öffnungen und Beladung

  • Der Gregory Optic 58 ist ein Toploader, was bedeutet, dass du ihn nur über das Deckelfach öffnen und beladen kannst. Seitliche Zipper gibt es nicht und auch kein Bodenfach, das sich von außen erreichen lässt.
  • Im Inneren gibt es ein großes Fach ohne mögliche Abteilung mittels einhängbare Zwischenböden wie z.B. beim Gregory Baltoro (Test). Für mich persönlich ist dies kein Nachteil, da ich vorzugsweise den Schlafsack und das Zelt (Gestänge & Heringe werden außen am Rucksack angebracht) im Rucksackboden positioniere. Solltest du trotzdem ein Bodenfach mit Öffnung bevorzugen, schau dir den Gregory Paragon 58 an. Dieser ist mit 1,62 kg (Größe M) ca. 500 Gramm schwerer als der Optic 58, hat aber dafür einige andere Vorteile.
  • Mittels Kompressionsriemen außerhalb des Rucksackes kann der Optic 58 problemlos in Form gebracht werden, sollte das volle Volumen von 58 Liter mal nicht benötigt werden. Das Gewicht bzw. der Schwerpunkt ist dadurch näher am Rücken und die Last entsprechend sinnvoller verteilt.

Besondere Features

mesh pocket Gregory Optic 58 Rucksack Testbericht

Mesh-Seitentasche mit Öffnung nach vorn.

  • Der Gregory Optic 58 besitzt ein abnehmbares, höhenverstellbares Deckelfach (Rucksackabdeckung). Diese kann gegen eine deutlich leichtere Abdeckung (Wetterschutzflap; gibt’s zum Rucksack dazu) ausgetauscht werden. Dann jedoch musst du auf zwei Fächer (mit Zipper verschleißbar), die im Standard-Deckelfach integriert sind, verzichten. Du hast die Qual der Wahl.
  • Ebenfalls standardmäßig zum Rucksack dazu gibt es ein Rain Cover (Regenschutzhülle), passend zur Rucksackgröße. Dieses Rain Cover befindet sich im Deckelfach und erfüllt seine Aufgabe zuverlässig, ist aber dem Rucksack verhältnismäßig enganliegend. Wenn du eine faltbare Isomatte mittels Riemen auf das untere Drittel des Rucksackes befestigst, reicht die Regenhülle nicht mehr aus. Das ist Schade, da die roten Zugriemen am Rucksack dafür explizit designt wurden. Das gleiche Manko hat auch der Gregory Baltoro 85. In zukünftigen Versionen des Optic und Octal wird Gregory sicherlich nachbessern.
  • Innovative Getränkehalter aus einem Mesh-Material sind als Seitentaschen am Rucksack angebracht. Über eine Öffnung nach vorn kannst du deine Trinkflasche(n) leicht erreichen ohne dir die Schulter auszurenken bzw. den Rucksack abzusetzen. Eine sehr gute Idee wie ich finde. Zwei Hacken hat die Sache jedoch. Erstens, es sind nicht alle Flaschen dafür geeignet. Ich benutze eine 1 Liter Trinkflasche von Nalgen. Diese ist kurz und etwas dicker als herkömmliche Flaschen und sitzt bedenkenlos fest. Bei schmaleren und kleineren Flaschen (0.5l PET) besteht die Gefahr das die Flasche beim Vorbeugen herauspurzelt. Je nach Gelände könnte das das letzte Lebenszeichen deiner Trinkflasche gewesen sein. Zweitens ist der seitliche Schlitz weit nach unten ausgeschnitten und man kann keine Gegenstände wie Kamera, Powerbank, Geldbörse oder Mobiltelefon dort verstauen. Die Wahrscheinlichkeit, das es rausfällt ist zu hoch. Auch wenn die Linkshänder jetzt  aufschreien, hier würde ich an Gregorys Stelle nur eine der beiden Taschen mit einer Öffnung nach vorn versehen. So ist die Trinkflasche erreichbar und die Utensilien in der anderen Seite sind sicher.
  • Ein Beutel für eine Trinkblase (Wasserblase) ist im Inneren verbaut und es befindet sich eine zentrale Öffnung für den Trinkschlauch am oberen Ende des Hauptfaches. Von dort aus kannst du den Trinkschlauch am Schultergurt weiterführen. Dazu ist auch eine weitere Halteklemme am rechten Schulterriemen angebracht. Gregory hat hier eigens für ihre Rucksäcke ein Trinksystem (3D-HYDRO RESERVOIR) entwickelt, das es ab Frühjahr 2019 in Europa zu kaufen gibt. Wenn es soweit sein wird, werde ich dieses Trinksystem für uns testen. Versprochen.
  • Als sehr nützlich hat sich für mich die Halterung für eine Sonnenbrille am linken Schultergurt erwiesen. Die Zeiten, wo einem die Sonnenbrille (Gletscherbrille) vom Kopf oder aus T-Shirt-Ausschnitt beim Bücken zu Boden fällt, sind somit Geschichte. Top Feature.

Ein echtes Leichtgewicht

Knapp 1 Kilo: Der Gregory Optic und der Gregory Octal haben die Bezeichnung Ultraleichtgewicht wirklich verdient. Hier würde ich auch sechs von fünf Sternen vergeben.

Je nach Volumen und Rückenlänge des Rucksackes ergibt sich das Gewicht. Gregory hat, wie gesagt, den Optic als 58 und 48 Liter Version im Angebot. Zusätzlich bestehen drei verschiedene Rückenlängen (S; M; L). Guck also auf die Seite von Gregory und finde über die Masstabelle deine entsprechende Rucksack-Größe heraus, da die Rückenlängen am Rucksack NICHT verstellbar sind.

  •  Gewicht:
    – S: 1.09 kg
    – M: 1.14
    – L: 1.22 kg
    Gewicht ohne Regenhülle:
    – S: 1.04 kg
    – M: 1.10 kg
    – L: 1.16 kg
    Volumen:
    – S: 55 l
    – M: 58 l
    – L: 61 l

Das Verhältnis Gewicht zu Volumen ist herausragend.

  • Im Vergleich zum Paragon ist der Optic 58 schlappe 480 Gramm leichter, bei nicht weniger Features. Insbesondere wenn man sich die Polsterung vom Hüftgurt und den Schulterpolstern betrachtet, ist es eine Topleistung, die die Designer von Gregory auf den Markt gebracht haben.

Fächer & Befestigungspunkte

  • Insgesamt kommt der Optic von Gregory auf 7 Taschen/ Fächer. Eine stolze Leistung für ein UltraleichtRucksack.

Einiges wurde von mir bereits angesprochen: Es gibt ein Hauptfach, zwei Seitentaschen aus elastischem Mesh-Gewebe mit Trinkflaschenöffnung, eine große Mesh-Tasche auf der Vorderseite des Rucksackes (Jacke, Helm…) und ein abnehmbares Deckelfach, das ebenfalls mit zwei Zippertaschen (Regenhülle, Geldbörse…) versehen ist.

An Befestigungspunkten und Kompressionsriemen mangelt es dem Gregory Optic 58 nicht. An den oberen Seiten sind beidseitig V-förmige Riemen angebracht. Auch längere Gegenstände kannst du damit an der Seite fixieren indem du sie unten in die Mesh-Tasche steckst und oben mit den Riemen festzurrst.

Des Weiterem gibt es auf der Vorderseite zwei Halterungen (Schlaufen) um ggf. Trekkingstöcke oder Eisklettergeräte (Eisaxt, Eispickel, usw.) zu befestigen. Im unteren Teil sind rote Kompressionsriemen verbaut, um dort z.B. eine Isomatte anzubringen.

Zwei kleine, wasserabweisende Taschen (nicht wasserfest!!!) am Hüftgurt komplettieren die Staufächer am Gregory Optic. Da diese beiden Taschen mit Zipper verschließbar sind und erfreulicherweise zum Baltoro der 2018er Serie sogar größer, findet dort locker mein Smartphone samt Schutzhülle Platz. Hier hat sich der Hersteller scheinbar die Kritik an anderen Modellen zu Herzen genommen und nachgebessert. Weiter so.

Das Aerospan-Tragesystem & max. Zuladung

Jetzt geht’s ans Eingemachte.

Eines war mir von vornherein klar: Bei einem dermaßen Leichtgewicht kann der Tragekomfort nicht so gut sein, wie bei einem Schwerlast-Rucksack, der für ein Doppeltes an Gewicht ausgelegt sein muss. Trotzdem hat mich die Performance des Optic 58 in der Praxis überrascht.

  • Bis zu 16 kg sind laut Hersteller problemlos im Rucksack zu verstauen. Deutlich mehr an Last würde ich an deiner Stelle aber nicht in den Rucksack stopfen. Ich habe das auf einer Testtour gemacht. Zwar geht nichts kaputt, jedoch erhöht sich der Druck auf das Lumbarpolster erheblich und auch der Zug im Schulter-Nackenbereich nimmt auf längeren Touren schmerzhaft zu. Ich persönlich empfand eine maximale Zuladung von 10 bis 12 Kilo als komfortabel.
  • Gregory nennt sein neues Tragesystem AEROSPAN und setzt dabei auf einen ultraleichten, umlaufenden 7001 Aluminiumrahmen der gegen Verwindung schützt und mit EVAP-feuchtigkeitstransportierender, flacher, belüfteter Rückenpartie versehen ist. Zusätzlich kommen Materialen mit LifeSpan-Schaum zum Einsatz, die u.a. eine Federfunktion im Rückenpolster ausüben. Naja, das hört sich ziemlich technisch an. Das ganze System funktioniert in der Praxis aber gut und es gibt keine Druckpunkte oder Ausrüstung, die vom Rucksackinneren in den Rücken drücken würde. Insbesondere der Hüftgurt macht einen tollen Job bei der Lastübertragung und das gespannte Netz hält den Rücken vom „Rucksack“ fern. Die Ventilation ist somit gegeben. Diesem System sind natürlich Grenzen gesetzt. Solltest du die Gewichtsgrenze des Rucksackes ausloten und in Bergaufsektionen stark nach vorne gebeugt laufen, berührt auch da der Rücken den „Rucksack“. Nobody is perfect!
  • Hätte ich einen Wunsch offen, so würde ich mir die Schultergurt-Aufhängung des Baltoro (Modell 2018) mit dem Response 3D-Tragesystem wünschen. Dieses Tragesystem spricht noch effektiver auf die unterschiedlichen Nackenformen und Schulterbreiten an, ist aber auch deutlich schwerer. Wie gesagt: Niemand ist perfekt…

Verarbeitung und Haltbarkeit

Reine Kopfsache. Immer wenn ich den Gregory Optic voll lade für eine Tour denke ich das er mir jeden Moment auseinander reißt. Das Ding ist einfach so leicht und die verbauten Materialien sind so dünn. Dünne Kompressionsriemen, dünne Rucksackplane, dünne Mesh-Taschen… Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, das die Zeiten vorbei sind, wo dünne Materialien, teilweise aus kleinsten Plastikteilen hergestellt, automatisch gleich Schrott sind. Egal. Bisher hat der Rucksack keine Schwächen gezeigt. Weder Riemen, Plane, Plastikklipper oder Mesh-Taschen haben Beschädigungen oder gar Abnutzungserscheinungen. Ob das auch über Jahre so bleibt, wird die Zeit und weitere Touren mit dem Gregory Optik 58 aufzeigen. Ich bleibe für dich im Langzeittest am Ball…

Mein Fazit zum Gregory Optik 58 Ultralight Backpack

Mauerweg Berlin Brandenburg

leicht, leichter, Gregory Optic 58…

Wenn du einen ultraleichten Rucksack für Wochenend- und Mehrtagestouren suchst, der ein exzellentes Gewicht-zu-Volumen-Verhältnis aufweist, bist du mit dem Gregory Optic 58 an der richtigen Adresse. Mit knapp über 1 Kilo Gewicht und einem komfortablen Aerospan Tragesystem, das bis zu 16 Kilo schluckt, bleiben keine Wünsche offen. 7 Fächer und einige tolle Features, wie die Sonnenbrillenhalterung, ein abnehmbares Deckelfach, etliche Befestigungsmöglichkeiten und eine gute Ventilation im Rücken, sprechen für sich. Lediglich der Preis von knapp 190€ (Stand Okt. 2018) ist im Verhältnis zu anderen Ultraleichtrucksäcken etwas höher. Da es beim Gregory Optic und Gregory Octal aber ein Rain Cover (kostet 35€) dazu gibt, relativiert sich der Preis deutlich.

Kleiner Tipp von mir: Da der Rucksack so schön leicht ist, kann man ihn auch mit in den Flieger als Handgepäck der Billig-Airlines nehmen. Das spart Geld auf kurzen Trekkingtrips ins Ausland und bietet trotzdem genug Platz für Ausrüstung, vorausgesetzt du überschreitest das Limit fürs Handgepäck nicht.

Alternativen zum Gregory Optic 58 und Gregory Octal 55

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Gregory Optic 48 oder 58? Oder welche Ultraleichtrucksäcke sind deine Favoriten? Schreib mir einfach in die Kommentarbox.

Gewicht
Verarbeitung
Preis/Leistung
Gesamt
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