Die Killarney Ultimate High Peaks Challenge in Irland ist Bergwandern für Fortgeschrittene und Abenteuerlustige. Es stellt die perfekte Herausforderung für diejenigen dar, denen die Besteigung der Carrauntoohil (1039m) allein zu anspruchslos ist.

Bei der Killarney 12 Peaks Challenge oder Killarney Ultimate High Peaks Challenge genannt, erklimmst du, wie der Name schon sagt, 12 Berge. An nur einem Tag jagt dich diese Challenge über die höchsten Berge Irlands, darunter auch der höchste Berg, der Carrauntoohil. Mit über 25 Kilometer Länge und nicht weniger als 2.450 Höhenmetern im Aufstieg, hat diese Höhenroute den Namen Challenge wirklich verdient.

Leider führen einige Sektionen der Route über Privatland. Wer sich also keinen Ärger einhandeln möchte, der muss warten, bis die offizielle Challenge stattfindet. In diesem Jahr ist es der 09.Juli 2016. Auf http://killarneypeakschallenge.com könnt ihr euch noch registrieren.

Ich war im Juni in Irland und solange warten? Niemals! Nachdem ich durch Zufall von der Tour im Hostel hörte, beschloss ich spontan meine Abreise zu verschieben und am folgenden Tag die Challenge anzunehmen. Zwar ist das illegal aber das hat mich noch nie von einem Abenteuer abgehalten und erst Recht nicht von einer Challenge.

Killarney Ultimate High Peak Challenge: Just do it!

Killarney Ultimate High Peaks Challenge: Die Route

Killarney Ultimate high peaks challenge

  • Start/Ende: Kate Kearney’s Cottage (Gap of Dunloe)
  • Tömies (735m)
  • Purple Mountain (832m)
  • Drishana (464m)
  • The Bull (655m)
  • Croc an Bhreaca (731m)
  • Cruach Mhòr (932m)
  • The Big Gun (939m)
  • Cnoc na Pieste (988m)
  • Maolàn Buì (973m)
  • Cnoc an Chuillinn (926m)
  • Cnoc na Toinne (845m)
  • Carrauntoohil (1040m)
  • Beenkeragh (1010m)
  • Knockbrinnea (845m)
  • Start/Ziel: Cronin’s Yard

Für den unbedachten Leser auf dem ersten Blick kein Drama. Das ändert sich aber schnell guckst du dir das Höhenprofil an. Die vielen Auf- und Abstiege sowie Kletterpartien über schroffes, steiniges Gelände, bringen die Waden zum Glühen und rauben viel Zeit.

Killarney Ultimate High Peaks Challenge: Erfahrungsbericht

10:20 Uhr. Startpunkt Gap of Dunloe.

500 Meter nördlich von Kate Kearney’s Cottage sprangen wir über einige Weidezäune, durchquerten illegal Privatland und waren nach einer halben Stunde auf dem „offiziellen“ Track der Challenge angelangt. Es ging von annähernd Meeresspiegel am Nordhang des Tömies hinauf. Dort gab es keinen erkennbaren Pfad, der uns die Richtung vorgab. Allein der Gipfel des Tömies navigierte uns durch buschiges, mit Farnen überzogenes Weideland. Wer hier ohne Kompass und Karte in ein Unwetter oder dichten Nebel gerät, der irrt im Blindflug durch die Berge.

Unterdessen zogen von Süden her dichte, tiefblaue Regenwolken auf. Orkanartig fegte der Wind über den zerklüfteten, mit Felsbrocken überzogenen Gipfel des Tömies. Im Süden schimmerten die Hänge des Purple Mountain zart lila.

Über große Steine krabbelten wir bis hinauf zum Purple Mountain (832m) und kauerten uns zum Schutz vor dem Wind und Nieselregen hinter einen Steinhaufen. Das war kein guter Tag zum Wandern, trotzdem ging es weiter.

Vom Gipfel des Purple Mountain stiegen wir 700 Meter über Felsbrocken und loses Gestein, bis hinunter ins Tal des Gap of Dunloe. Wie auch im Sprichwort, kommt im wahren Leben nach einem Tief immer ein Hoch. So auch bei der 12 Peaks Challenge. Es war ein Auf und Ab. Stunde um Stunde verging. Die Peaks wurden immer höher, das Gelände immer anspruchsvoller und die Chance abzustürzen immer größer. Oft hieß es Klettern. Mehrmals verloren wir die Ideallinie und hangelten uns seitlich am Abhang der Berge entlang. Der Pfad führte uns permanent auf den Scheitelpunkten der Hänge von einem Berggipfel zum nächsten.

Killarney Ultimate High Peaks Challenge

Gegen späten Nachmittag, ab Cnoc na Péiste, peitschte der Atlantikwind große Wolken über das Gebirgsmassiv und hüllte die Gipfel in eine dichte, undurchsichtige weiße Suppe. Spaßig wurde es, als es im Aufstieg zum Carrauntoohil wieder anfing zu nieseln. Aus Nieselregen wurde ein ausgewachsener Schauer. Mit Sicht unter 10 Metern suchten wir unseren Weg auf den Gipfel des höchsten Berges von Irland. Es war unmöglich sich an umliegenden Bergformationen zu orientieren. Eine detaillierte Karte oder Kompass hatten wir nicht. Einzig allein die Steinhaufen wiesen uns die Richtung.

Carrauntoohil Irland

20 Uhr. 1 Stunde 40 Minuten bis Sonnenuntergang. Nass bis auf die Unterhose erreichten wir das Gipfelkreuz und entschieden uns gegen jede Vernunft, die letzten zwei Peaks anzugehen. Gerade diese beiden Peaks sind das Nadelöhr der gesamten Challenge. Die technisch herausforderndsten Sektionen mit der maximalen Unfallgefahr.

Zum Glück konnten wir im Nebel nicht sehen, was uns bevorstand und arbeiteten uns Stück für Stück über die Hänge. Die Felsen waren wie Seife, rutschig und unberechenbar. Der Wind riss an der Kleidung und fegte uns kaltes Regenwasser ins gerötete Gesicht. Was am Vormittag, bei trockenen Bedingungen, noch spielerisch mit Turnschuhen zu bewältigen war, forderte jetzt die volle Konzentration. Ein falscher Schritt, ein Mal ausrutschen und man hätte unser Überreste hunderte Meter tiefer vom Felsen kratzen können.

Die Sonne ging langsam unter, als wir den zwölften Peak erreichten. Dummerweise verloren wir dort den Track erneut und stiegen satt östlich, am westlichen Hang des Knockbrinnea ab. Dort gab es keinen Track und ich hörte irgendwann auf zu zählen, wie oft mein Hintern den Boden küsste. Etwas Blut floss auch und meine Begleiterin bekam langsam Angst wir würden im Dunkeln in den Bergen verloren gehen. Doch eine alte Überlebenstaktik lautet: Folge dem Wasser. Als wir einen kleinen Fluss fanden, der den Berg hinunter lief, folgten wir diesen und fanden im Tal den ausgelatschten Track wieder. „Wir waren in Sicherheit.“ und erreichten Cronin’s Yard um 22:20 Uhr, genau 12 Stunden, nachdem wir gestartet waren.

Natürlich war der Parkplatz dort schon seit Stunden verlassen und unser Plan, per Anhalter zurück nach Kate Kearney’s Cottage zu trampen, hinfällig. Wie immer hatte ich Glück. Auf dem angrenzenden Campingplatz stand genau ein Zelt mit Auto. Im Dunkeln machte ich die Camper wach und überzeugte zwei Walliser uns zurück zu unserem Auto zu chauffieren. Ende der Geschichte. Die Killarney Ultimate High Peaks Challenge war geschafft und ich um eine außergewöhnliche Erfahrung reicher.

Mein Fazit zur Killarney 12 Peaks Challenge

Die Killarney 12 Peaks Challenge hat diesen Namen wahrlich verdient. Die Route ist atemberaubend und überzeugt mit schönen Ausblicken über die Landschaft und technischen Passagen. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, der sollte ausreichend Erfahrung im Gebirge und eine gute Ausrüstung mitbringen. Gerade die wechselhaften Wetterbedingungen dort hätten uns beinahe in ernste Schwierigkeiten gebracht und sollten von dir nicht unterschätzt werden (siehe Packliste).

Das miese Wetter hatte auch seine Vorteile, so trafen wir den gesamten Tag niemanden, der alle Peaks machte. Insgesamt liefen uns nicht mehr als eine Handvoll Trekker über den Weg, was den Individualfaktor deutlich zu gute kommt.

An sonnigen Tagen musst du aber auf einigen Passagen mit Gesellschaft rechnen, aber von Massentourismus weit und breit keine Spur. Nur am Tag der der offiziellen Veranstaltung am 09.06.2016, brennt dort die Luft und Trekker von überall auf dem Globus treffen sich zur Challenge. Doch es gibt einen großen Vorteil, solltest du an der offiziellen Veranstaltung teilnehmen: die Sicherheit. Überall an der Strecke und gerade an den schwierigen Passagen findest du Streckenposten, die dir den Weg weisen. Ein Verlaufen ist somit fast unmöglich. In diesem Sinne, ob illegal oder offiziell: Viel Spaß bei deiner persönlichen Killarney Ultimate High Peaks Challenge.

Bewertung Killarney Ultimate High Peaks Challenge

  • Abenteuerfaktor: 4 von 5 Sternen
  • Infrastruktur: 1 von 5 Sternen
  • Schwierigkeitsgrad: 4 von 5 Sternen
  • Individualfaktor: 3,5 von 5 Sternen
  • Natur/Landschaft: 5 von 5 Sternen

Tipp 1: Wem die Challenge an einem Tag zu herausfordernd ist, der kann sie in 2 Tagestouren auf splitten. Zum Beispiel: Tag 1 von Kate Kearney’s Cottage über Tömies und Purple Mountain ins Black Valley (Übernachtung). Tag 2: Black Valley bis zum Ziel (Cronin’s Yard).

Tipp 2: Wem illegal zu illegal ist, der kann die Route auch abändern. Du startest dann wie gehabt bei Kate Kearney’s Cottage, läufst jedoch über den Strickeen Mountain direkt zum Cnoc an Bhreaca und folgst dort der weiteren Route. Damit sparst du jedoch 3 Peaks aus und deine Ultimate 12 Peaks Challenge verkommt zur 9 Peaks Tour. Deine Entscheidung.

Sicherheitshinweise Killarney 12 Peaks Challenge

Jedem Sicherheitsfanatiker wäre bei unserer Packliste schwindelig geworden. Das ist nicht nachahmenswert. Gerade die abrupten Wetterumschwünge auf unserer Tour haben die gefährliche Fratze der Bergregionen nahe Killarney zum Vorschein gebracht. Hier also die offizielle Empfehlung für eure Ausrüstung bei der der Killarney Ultimate High Peaks Challenge:

  • Eingelaufende Wanderstiefel oder Mountain Running Schuhe (normale Turnschuhe werden nicht akzeptiert); passende Socken.
  • Kompass und Karte der Region (OS Discovery Series map Sheet 78)
  • Rucksack (Tagesrucksack 25-40 Liter)
  • Essen und Trinken (mind. 2 Liter) für die gesamte Tour (Es gibt keine Quellen oder Seen auf der Route zum Wasser auffüllen!!!).
  • Wasserdichte Kleidung (Jacke und Hose)
  • Kleidung allgemein: warm, komfortabel und atmungsaktiv.
  • Warme Mütze und Handschuhe
  • Erste Hilfe Kit
  • Aufgeladenes Mobiltelefon und eine Pfeife (6x Pfeifen=Hilfe).
  • Taschenlampe mit Ersatzbatterien
  • Sonnencreme und Sonnenbrille

Weitere Sicherheitshinweise wenn du außerhalb der offiziellen Challenge wanderst:

  • Check den Wetterbericht, bevor du gehst. Am Gipfel ist es deutlich kälter als am Fuß des Berges und durch die Atlantiknähe ist das Wetter wechselhaft.
  • Die ungefähre Zeit für die Tour beträgt 8-12 Stunden bei anstrengendem Wandern.
  • Es gibt keine Nothütten oder Unterstände.
  • Dreh um falls die Wetterbedingungen einen weiteren Aufstieg erschweren oder wenn jemand aus deiner Gruppe Schwierigkeiten bekommt.

Literatur Killarney Ultimate High Peaks Challenge

Carrauntoohil Ausrüstung (Beispiele!)