Nie wieder Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar Stiefel (Real Life Review)

Als ich vom Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar Endurostiefel gehört habe, dachte ich die perfekte Lösung für mein Problem gefunden zu haben: Wie vereine ich maximalen Schutz für meine Füße mit dem Anspruch eines wasserdichten Stiefels? Die Zeiten von kalten, wasserdurchtränkten Füßen und Socken, die das Fahrerlebnis auf meinen Langzeittouren im Gelände deutlich geschmählert haben, sollten der Vergangenheit angehören. Die All-In-One Lösung für alle Jahreszeiten und Einsatzzwecke – und das zu einem akzeptablen Preis. Genau das versprach die Produktbeschreibung von Alpinestars und alle Reviews, die ich auf Youtube und Co. zum Tech 7 Enduro Drystar gefunden hatte. Pustekuchen. Die Realität sieht leider anders aus. Aber ganz von vorne. In diesem kurzen Review möchte ich dir meine Erfahrungen mit dem Tech 7 Enduro nach 6 Wochen und 9.000 km im Dauereinsatz schildern und erörtern, warum ich von diesem Stiefel, der Firma Alpinestars und dessen Händler in Deutschland nicht überzeugt bin.

wasserdichte Endurostiefel

Tech 7 Enduro Drystar im Langzeittest auf der Yamaha Tenere 700

Pro & Kontra des Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar Boot

An dieser Stelle will ich dir nicht die Produktbeschreibung den Tech 7 Drystar runterbeten. Aus welchen Materialien der Stiefel aufgebaut ist und welchen Sicherheitsstandards dieser entspricht, kannst du auf jeder x-beliebigen Händlerseite abrufen. Hier will ich mich kurz auf die hauptsächlichen Pros und Kontras beschränken und weiter unten im Beitrag im Detail auf diese eingehen.

PRO
  • Schutz des Fußes & Unterschenkels
  • Platz für Knieorthesen
  • Gewicht
  • Grip der Sohle
  • Sohle auwechselbar
KONTRA
  • nicht wasserdicht
  • nur bedingt für OTB geeignet
  • Quietschen beim Gehen
  • drückt auf Spann
  • schlechter Kundensupport

Pro & Kontra im Detail

Der guten Kinderstube wegen fangen wir zuerst mit den positiven Eigenschaften an.

  • Der Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar (*Link) hat ein angenehmes Fußklima. Ob bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt oder +30 Grad. Ich hatte (mit den richtigen Socken) nie schwitzige Füße oder habe darin gefroren.
  • Den Schutz, den der Stiefel verspricht, hält er. Ich habe mit meiner Tenere 700 einen massiven Stein im Knöchelbereich gerammt. Bis auf eine starke Prellung hat der Fuß es unverletzt überstanden. Bei weniger robusten Motorradschuhen/ Stiefeln wären der Fuß stark verletzt worden und die Tour nach frühzeitig in Georgien beendet gewesen.
  • Im schlammigen Untergrund oder im Stand auf den Endurofußrasten bietet er ausreichend Grip. Bei sehr klebrigen Matsch setzte sich die Sohle natürlich auch zu, aber da sahen die Profilblöcke am Reifen bereits wie ein Slick aus. Des weiteren kann die Sohle bei Beschädigung ausgetauscht werden, was die Langlebigkeit des Stiefels erhöht.
Alpinestars Tech 7 Enduro Langzeittest

Die Sohle nach ca. 9000 km auf Krallenfußrasten…

  • Ich nutze die Leatt X-Frame Hybrid (*Link). Diese passen problemlos in die Boots. Wenn du allerdings keine Orthesen oder Knieschützer trägst, lässt sich der obere Klettverschluß der Tech 7 Enduro nicht formschlüssig mit dem Unterschenkel verschließen (es sei denn du hast Kanonenkugeln als Waden).
  • Für einen Stiefel dieser Schutzkategorie und in meiner Größe 47, ist er noch akzeptabel vom Gewicht her. Mit 2013g pro Stiefel hat er dabei ungefähr das Gewicht, was ein „normaler“, nicht wasserdichter Endurostiefel mit ähnlicher Schafthöhe aus einem günstigerem Preissegment aufweist.
Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar

bringen knapp 4 kg das Paar in Größe 47 auf die Wage…

Jetzt zu den Punkten, die mich am Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar massiv stören und diesen für mich als Stiefel unbrauchbar machen:

Was nützt ein wasserdichter Stiefel, wenn er nicht wasserdicht ist?

Ich habe den Stiefel auf meiner 6-wöchigen Tour über den TET Türkei und im Kaukasus in Georgien genutzt und immer, wirklich immer nasse Füße bekommen. Wenn du bei +30 Grad rumfährst, stört dich das nicht weiter, aber auf unserer Tour hatten wir fast 14 Tage Regen und bei Temperaturen um die 7 °C im Gebirge, macht das einen ganz gehörigen Unterschied aus. Insbesondere, da wir täglich 8 bis 10 Stunden im Gelände unterwegs waren.

Über die Stiefel hatte ich eine Goretex-Nässeschutzhose. Während der Schaft trocken blieb, drang in beiden Stiefel Wasser im Bereich der Füße ein; Und wir reden hier nicht von schwitzigen Füßen, sondern von richtig viel Wasser, das im Stiefel steht. Dabei bin ich nicht einmal mit den Stiefel durch Wasser (Bäche, Pfützen usw.) gelaufen (womit ürbrigens geworben wird). Das Spritzwasser von Pfützen hat bereits ausgereicht um nach kurzer Zeit in den Stiefel einzudringen.

In diesem kurzen Video aus Georgien siehts du, wie viel Wasser sich täglich in meinen Socken befunden hat.

Für mich war der einzige Grund diese Tech 7 Enduro Drystar zu kaufen, dass sie wasserdicht sein sollten. Eine wasserdichte Socke von Sealskinz (*Link) kann jeder anziehen aber ich wollte nicht nur einen trockenen Fuß, sondern auch einen trockenen Stiefel von innen, da man diese auf längeren Touren mit Camping im Kalten nicht über Nacht trocken bekommt. Demnach war der Alpinestars ein echter Fehlkauf, der nicht hält, was er verspricht.

Frech, frecher, Kundensupport!

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland Anfang Juli habe ich den deutschen Verkäufer (Maciag Offroad) kontaktiert und meine Probleme mit den Stiefeln erklärt. Schließlich gibt es auch die sogenannten „Montagsmodelle“ und obwohl ich echte Probleme mit den minderwertigen Stiefel auf meiner Tour hatte, finde ich, dass man jedem Händler die Chance geben sollte, sich dazu zu äußern. Das ich einen Motorradblog betreibe und die Stiefel auf der Tour getestet habe, hatte ich natürlich nicht erwähnt.

Als 1. Antwort kam: “ […] Ich habe das mal für dich überprüft und der Artikel ist laut Hersteller wasserdicht. Jedoch ist er natürlich nicht zu 100% wasserdicht. Es gibt immer noch Öffnungen, wo Wasser eindringen kann. Daher haben wir hier nicht die Möglichkeit den Artikel zu Reklamieren.“

Daraufhin habe ich gefragt welche Öffnungen das sein sollen, wenn eine Gortex-Hose über den Stiefeln getragen wird und die Drystar Membran bis fast zum Schaftende eingearbeitet ist. Zumal ja „nur“ meine Füße nass waren und nicht die Unterschenkel.

Als 2. Antwort kam: „[…] Ich habe das nun nochmal direkt überprüft und auch bei Alpinestars angefragt und der Stiefel wird nicht als wasserdicht ausgeschrieben. In der Beschreibung steht folgendes: Die neuen Tech 7 Enduro Drystar-Stiefel von Alpinestars sind mit der wasserdichten Drystar-Membran ausgestattet. Das bedeute, das der Stiefel mehr als übliche Wassermengen verdrängt aber nicht zu 100% wasserdicht ist.“

OOOOHA. Das heißt also, dass zwar die Membran wasserdicht ist, aber nicht der Stiefel!

Ich finde das eine echte Irreführung von Kunden. Und das lustige ist, das mein Mitfahrer Dirk die Alpinestars Toucan (*Link) mit GoreTex-Membran auf der Tour nutze, diese seit bereits einem Jahr im EnduroEinsatz hat und seine Füße auf der Tour furztrocken waren.

Ich lass das jetzt alles mal so im Raum stehen. Ich habe mich mittlerweile direkt an Alpinestars gewendet und auch Maciag Offroad wollte aus eigenem Interesse noch mal bei Alpinstars nachfragen, nachdem ich erkwähnt hatte, die Schuhe im Testbericht zu haben. Warten wir also ab, ob sich noch jemand bei mir meldet.

Anschleichen zwecklos

Also zumindest meine Stiefel quietschen wie verrückt (siehe Video). Dieses Quietschen kommt von den Gelenken im Knöchelbereich und hat sich auch nicht „eingelaufen“. Ein Hub aus der WD-40 Flasche hilft kurzfristig, aber ich sehe auch nicht ein, dass man sich Schmiermittel auf neue Schuhe sprühen muss, erst Recht nicht, wenn man damit Motorrad fährt.

Und welche Hose nun?

Die Alpinestars Tech 7 Enduro Drystar sind nur bedingt als OTB (Over The Boots) geeignet. Zumindest in meiner Größe 47. Ich habe mehrere Adventure Hosen (z.B. Klim) getestet und keine hat über den Stiefel gepasst. Der Schaft oben ist dafür einfach zu breit (zu großer Umfang).

Im Endeffekt habe ich die Bundeswehr Nässeschutzhose in der Größe 5 (extra lang, extra groß) gekauft. Diese passt perfekt. (*Link). Schau dir auch meine Packliste Trans Euro Trail an.

Nachtrag: Einige Leser haben gute Erfahrungen mit den MoskoMoto-Hosen oder den Revit Sandstorm 3/4 Hosen gesammelt. Ob die aber auch über die Orthesen bzw. großen Schuhgrößen passen, müsst ihr ausprobieren.

Passform beim Gehen

An sich ist man mit dem Tech 7 gut zu Fuß unterwegs aber beim Gehen knickt die Zehenkappe ab und die Kante drückt auf den Spann. Beim Fahren stört das nicht. Wer aber viel damit geht, wird das als störend empfinden.

Mein Fazit

Endurostiefel Trans Euro Trail

Optik ist nicht alles…

Alpinestars, warum keine GoreTex-Membran? Wenn ich einen wasserdichten Stiefel verkaufe, sollte dieser auch wasserdicht sein. Für mich persönlich ist es unerklärlich, wie der Alpinsestars Tech 7 Enduro Drystar so viele gute Bewertungen und Reviews auf Youtube und in Motorradzeitschriften erhalten konnte. Das was er können soll, kann er nicht und das was er kann, können andere Hersteller zu einem günstigerem Preis anbieten. Wenn ich demnächst im Lotto gewinne, kauf ich mir die Rev’it Expedition GTX (*Link). Tja, und bis es soweit ist, werde ich mit nassen Füßen rumfahren müssen.

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PS: Was sind deine Erfahrungen mit dem Drystar und welchen wasserdichten Stiefel kannst du für ambitionierte Reiseendurotouren im Gelände empfehlen? Schreib es in die Kommentarbox.

4 Kommentare
    • Stefan Schüler
      Stefan Schüler sagte:

      Echt erschreckend wie stark die Qualität bei Alpinestars variiert. Anders ist es nicht zu erklären, dass beim Einen die Stiefel dicht sind und beim nächsten wieder Wasser durch lassen.

       
      Antworten
  1. Michael
    Michael sagte:

    Hi,
    Danke für Deinen Bericht. Ich habe mir den Stiefel vor ca. 1,5 Jahren gekauft, habe damit mehrere heftige Regenfahrten gehabt und meine Füße waren absolut trocken. Auch vom Schutz bisher begeistert und OTB funktioniert bei mir mit den Moskohosen auch. Allerdings habe ich nach knapp einem Jahr eine winzige Ablösung der Sohle von dem Rest gehabt. Dies habe ich bei meinem Händler reklamiert, der mit Alpinestars gesprochen hat. Ich dachte an kleine Reparatur aber die Stiefel wurden komplett getauscht und ich musst die alten mit Fotobeweis zerstören- sehr schräg unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit… war anscheinend günstiger. Ich hatte vorher das schwarze Modell, das war aber lange Zeit nicht lieferbar, jetzt habe ich quasi Dein Modell, habe aber noch keinen Regen erlebt… bin mal gespannt
    VG Michael

     
    Antworten
    • Stefan Schüler
      Stefan Schüler sagte:

      Hi Michael, anscheinend war dein Stiefel zumindest wasserdicht und dein Händler kulant. Aktuell liegt der Durchschnitt bei 50%, die super zufrieden sind und 50, die Probleme haben. Danke für den Tipp mit den Moskohosen, diese hatte ich noch nicht probiert. Gruß, Stefan.

       
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