Vom Mittelmeer in den Kaukasus: Offroad Motorradreise TET Türkei & Georgien

Motorradreise Kaukasus Georgien

Für mich war diese Reise der Inbegriff eines Abenteuers. Als Dirk und ich unsere beiden Yamaha Tenere 700 an diesem verregneten Herrentag 2022 im Laderaum seines kleinen Transportes verzurrten und all unser Gepäck dazwischen stopften, wussten wir nicht was uns erwarten würde. Potsdam – Alexandropolis, eine 2200 Kilometer lange Fahrt durch halb Europa lag vor uns und war dennoch nichts mehr als eine Ouvertüre auf etwas viel Größeres. Auf das, was uns danach erwarten würde. Das Unbekannte. Das, was einem ein dumpfes, galoppierendes Grummeln im Magen verspüren lässt und ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert.

Stefan, Wo geht’s hin?

Wenn man mich vor der Abreise gefragt hatte: „Stefan, wo geht’s dieses Jahr hin?“, hatte ich immer gleich-monoton erwidert: „Erst mit dem Transporter nach Griechenland. Da lassen wir das Auto stehen, entladen die Motorräder und fahren off-road auf dem Trans Euro Trail durch die Türkei bis in den Kaukasus nach Georgien. Unterwegs wird gezeltet.“

So simpel sich das anhört, so simpel ist es auch. Klar, bei 8.000 Kilometern im Gelände auf schweren Reiseenduros kann viel passieren. Sehr viel sogar. Doch wem der Wille, die nicht perfekten Situationen zu bestehen fehlt, wird niemals den zuckerwattigen Geschmack von Abenteuer auf seiner Zunge verspüren. Der wird am Schlüpfergummi der Komfortzone festgehalten und verpasst die Welt, die sich vor ihm ungefiltert ausbreitet.

Als wir mit unserem Stollenreifen an den bewaffneten, griechischen Grenzschützern und denen der Türkei vorbeirollten, die Visastempel in die Reisepässe gehämmert waren und sich unsere Nummernschilder langsam vom pompösen Grenzbau der Türken entfernt hatten, standen wir am Beginn unseres Abenteuers. Symbolisch lag uns damit die Welt offen. Die Welt zwischen Mittelmeer und Kaukasus. Auf ins Unbekannte!

Dieser Bericht über unsere Motorradreise könnte jetzt in einem literarischen Erguss enden, soll er an dieser Stelle aber nicht. Wenn ich zu viel Langeweile habe, werde ich evtl. ein Buch oder eine separate Blogreihe auflegen. Was dieser Beitrag sein soll, ist vielmehr ein Überblick über die Motorradreise in den Kaukasus, der neben bildgewaltigen Videos auch GPX Dateien der Tagesetappen zum Download bereitstellt sowie unsere Camping Spots nennt. Zudem veröffentliche ich einige Detailkarten mit Höhenangaben, sodass du mal einen groben Schimmer bekommst, was so eine Reise, wirklich für Strapazen für Mensch und Maschine beinhalten. Aber keine Angst, ein zwei Sätze zu den einzelnen Teiletappen mit nützlichen Tipps, werde ich mir sicherlich nicht verkneifen können. Auf geht’s!

Motorradreise Kaukasus Karte

Es geht los! Auf dem Trans Euro Trail durch die Türkei (Tag 1 bis 6)

Insgesamt haben wir auf der Reise so viele tolle Orte und Situationen mit Einheimischen erlebt, die jedes Video oder Blogbeitrag sprengen würden. Ich kann dir nur empfehlen die Videos aufzusaugen und auf meinem Instagram Account (Link) vorbeizuschauen. Dort sich noch viel mehr tolle Bilder, die wir direkt während der Reise gepostet haben.

Die ersten sechs Tage unserer Motorradreise waren ein Vorgeschmack auf das, was uns noch erwarten sollte. Keine 500 Meter hinter der Grenze fing der TET an. Wir bogen vom Asphalt auf den Dreck, der uns für die nächsten 5 1/2 Wochen ein treuer Gefährte sein sollte.

Trans Euro Tail Türkei

Über den Bosporus nach Asien. Hätten wir in Istanbul auch noch die richtige Fähre genommen, wäre alles super gelaufen…

die Sandklippen bei Sultanice (40.61248° N, 26.08372° E) sind ein Highlight…

Trolltunga Sirlac Canyon Türkei

wer braucht schon Trolltunga in Norwegen wenn es den Sircali Canyon gibt? (41.29371° N, 32.78079° E)

Tagesetappen GPX

Generell solltet ihr euch von der TET Webseite die aktuelle GPX von der Türkei herunter laden (Link). Unsere Tour hält sich weitestgehend an den TET, beinhaltet aber auch unveröffentlichte Sektionen und schließt Lücken. Das hat natürlich Vorteile und wenn du auch eine Tour nach Georgien machen möchtest, führt dich unsere Route (ohne verwirrende Alternativen) direkt nach Cildir (Grenzübergang). Bald wird auch vom Linesman  (Levant) der Türkei eine neue Version veröffentlicht, die unsere Verbesserungen und auch eine neue Südroute beinhaltet.

Tag 1 | Tag 2a Tag 2b | Tag 3a Tag 3b | Tag 4 | Tag 5 | Tag 6

Camping Spots GPX

Wir haben hauptsächlich wild gecampt und nur bei Unwetter ein Hotel aufgesucht. Wildcamping ist in der Türkei kein Problem. Im Hochsommer gibt es aber häufig ein Verbot von Camping im Wald (Brandgefahr). Check das vorher ab…

  1. Wild-Camp: 40.61593° N, 26.57096° E (Wiese am Golf v. Saros; kein Wasser, kein Klo)
  2. Wild-Camp: 41.18833° N, 27.92698° E (Picknick-Wiese; kein Klo, kein Wasser)
  3. Wild-Camp: 40.58121° N, 29.57707° E (Berg-Wiese, kein Wasser, kein Klo)
  4. Wild-Camp: 40.65779° N,30.86131° E (Wiese; kein Wasser, kein Klo)
  5. Wild-Camp: 40.84735° N, 32.21800° E (Picknick Wiese mit Wasser, Klo & Unterstand)
  6. Wild-Camp: 41.28790° N, 32.77824° E (Aussichtspunkt am Canyon; Klo & Wasser)

Mit Bären & Kangals auf Tuchfühlung! Auf dem Trans Euro Trail durch die Türkei (Tag 7-11)

Das zweite Video zeigt dir die Tage 7 bis 10 der Reise auf dem Trans Euro Trail Türkei bis zum kleinen Dorf Tamdere. Wir besuchten die türkische Version der „Trolltunga“, wurden von großen Kangal-Hunden angegriffen, hatten einen Besuch von Braunbären auf unserem Campingplatz und wurden von einigen Schneefeldern in den höheren Bergketten herausgefordert.

Trans Euro Trail Türkei

immer weiter gen Osten…

TET Türkei Motorradreise

Schneefelder und Flüsse blockieren den Weg an Tag 11…

Tagesetappen GPX

Das Gelände wurde deutlich bergiger und wir hatten des Öfteren 8000 hm am Tag zu bewältigen. Die Tagesfahrleistung ging natürlich damit deutlich zurück obwohl wir täglich 8 bis 10 Stunden im Gelände unterwegs waren. Wildes Rasen bringt da wenig. Der Verschleiß der Reifen und die Verletzungsgefahr nehmen sonst enorm zu. Beides will man auf so einer Tour nicht haben. Es ist definiv ein Ausdauerrennen und kein Sprint. Wer überpaced, erreicht nie das Ziel. Und unser Ziel war der Kaukasus und der Weg wieder zurück nach Griehenland…

Tag 7a Tag 7b | Tag 8 | Tag 9 | Tag 10 | Tag 11

Camping Spots GPX

7. Wild-Camp: 41.54714° N, 33.36367° E (Berg-Wiese; Vorsicht Bären; kein Wasser, kein Klo)

8. Wild-Camp: 41.10577° N, 34.92274° E (Wiese am See; Seewasser, kein Klo)

9. Wild-Camp: 40.55651° N, 36.58975° E (Wiese, kein Wasser, kein Klo)

10. Wild-Camp: 40.53409° N, 37.80106° E (Wiese, kein Wasser, kein Klo)

11. Wild-Camp: 40.52180° N, 38.58091° E (am Fluss, Trinkwasser, kein Klo)

Umgeben von Schnee & Eis: Die unveröffentlichte Sektion K des Trans Euro Trail Türkei (Tag 11-12)

Der 3. Teil der Videoreihe zeigt dir die Tage 11 und 12 unserer Reise auf dem Trans Euro Trail Türkei vom kleinen Bergdorf Tamdere bis zum berühmten Bayburt an der D915. Dies ist das erste Filmmaterial des unveröffentlichten Abschnitts K, entworfen um die 180 km lange Lücke auf dem TET zu schließen. Wir haben den neuen Abschnitt für den Lineman getestet, um ihn in naher Zukunft für alle zugänglich zu machen. Dieser neue Abschnitt K ist fantastisch, aber wir hatten mit viel Schnee, Eis und Schlamm zu kämpfen. Glücklicherweise hatte ein Bulldozer die Strecke nur wenige Stunden vor unserem Start in Tamdere geräumt und meterhohe Schneisen in die Schneefelder geschoben. Wir waren also die ersten in der Saison, die dieses Berggebiet befuhren. Leider habe ich fast alles von meinem Filmmaterial durch einen Crash der Micro-SD-Karte in der GoPro verloren. Von Tag 11 und 12 sind nur noch ein paar Handyaufnahmen übrig 🙁

Nach 100 km auf der Sektion K wurden wir beim Städtchen Torul von heftigen Gewittern überrascht und entschieden uns über kleinere Landstraßen nach Bayburt zu fahren. In den Bergen kann man nichts erzwingen. Und laut Aussagen der Einheimischen war der Winter in der Türkei 2021/22 strenger und länger als gewöhnlich. Kein Wunder, dass in den Bergen immer noch Schnee lag und Wege nur langsam und mühsam geräumt wurden. Unser Hauptziel war Georgien und wir beschlossen die fehlenden Passagen der neuen Sektion K einfach auf dem Rückweg vom Kaukasus zu versuchen. Das wirst dann in Video 6 oder 7 sehen.

Trans Euro Trail Türkei Teil 3

Unsere Route nach Bayburt. Unwetter zwang uns die letzten 130km auf die Straße…

Trans Euro Trail Türkei Sektion K

ab 1800m lag noch Schnee… Der TET und die Erkundung der neuen Sektion K werden zu einer Härteprüfung…

Motorcycle adventure turkey

in den Bergen hilft man sich…

Tagesetappen GPX

Tag 11 | Tag 12

Camping Spots GPX

11. Wild-Camp: 40.52180° N, 38.58091° E (am Fluss, Trinkwasser, kein Klo)

12. Hotel: 40.25949° N, 40.21341° E Bayburt Hotel (32€ inkl. super Frühstück)

Auf Marco Polos Spuren: Über die gefährlichste Straße der Welt zur georgischen Grenze (Tag 13-15)

Teil 4 zeigt dir die Tage 13, 14 und 15 der Reise auf dem Trans Euro Trail Türkei. Das Wetter wurde schlecht und wir blieben einen weiteren Tag in Bayburt, um neue TET-Routen zu erkunden und die berühmte D915 zu fahren. Die Berge in dieser Region sind über 3000 Meter hoch und wir hatten mit viel Regen und Schnee zu kämpfen, der immer noch die hohen Pässe blockierte. Also beschlossen wir, auf kleineren Landstraßen zur Grenze Georgiens zu reisen und sie am Tag danach (Tag 15) zu überqueren. Wir haben den fehlenden Teil des TET Türkei auf dem Rückweg von Georgien gemacht. Das kannst du dir in Episode 6 oder 7 ansehen. Bleib also gespannt.

Motorradreise Türkei TET Teil 4

Route von Bayburt bis zur georgischen Grenze (Cildir)

D915 Bayburt Gefährlichste Straße der Welt

180km Erkundungstour rund um die D915, die als eine der gefährlichsten Straßen der Welt gilt…

Endurowandern Türkei Motorradreise

Mit dem Gepäck im Hotel in Bayburt, fährt es sich ganz flott die Berge hoch…

motorbike trip Turkiye

auf der D950 Richtung Yusufeli…Geile Straßen, geile Landschaften und mega krasse Tunnelprojekte…

Tagesetappen GPX

Tag 13 zeigt dir unseren Kampf mit der Natur auf der 180km Tagestour von Bayburt. Trotz der Widrigkeiten haben wir einige tolle Strecken erkundet, die hoffentlich bald in den TET aufgenommen werden und der berühmten D915, als gefährlichster Straße der Welt, in Nichts nachstehen.

Tag 15 unserer Motorradreise war mit einem Grenzübergang verbunden. Nachdem wir am Ende von Tag 14 (einer Verbindungsetappe) nur 30 Kilometer vor der Grenze gecampt hatten, versuchten wir die Grenze bei Posof/ Türkgözü zu überqueren. Nur doof, dass nirgends erwähnt war (auch nicht auf der Seite des ausländischen Amtes), dass der Grenzübergang dicht war. Und das schon lange. Eine riesige Baustelle versperrte uns den Weg und wir mssten einen 100 km Umweg machen. Ich wäre nicht ich, wenn ich mir auf der Navi nicht kurzerhand eine Abkürzung durchs Gelände zum nächsten Grenzübergang bei Cildir (Çıldır) gesucht hätte.

PS: Beim Grenzübergang nach Georgien benötigten wir 11.06.22 noch einen Covid-Pass oder einen Negativtest. Des Weiteren braucht man für Georgien eine Versicherung für Motorräder. Diese ist obligatorisch und kann an einer kleinen Tanke, einige Kilometer hinter der Grenze, gekauft werden. Die Kosten sind überschaubar (15 Tage = 20 GEL (7€); 30 Tage = 35 GEL (12€)).

Tag 13 | Tag 14 | Tag 15

Camping Spots GPX

13. Tag Hotel: 40.25949° N, 40.21341° E Bayburt Hotel (32€ inkl. super Frühstück)

14. Wild-Camp: 41.21804° N, 42.84501° E (Wiese am Fluss, Wasser, kein Klo)

15. Wild Camp 1 Georgien: 41.66024° N, 43.64606° E (Picknick-Area am Tabatskuri See, Wasser, kein Klo, Unterstand)

Motorradreise Georgien

Motorradreise durch Georgien (Teil 1): Zwischen Ölvulkanen, Klosterhöhlen & bewaffneten Grenzern (Tag 15-22)

Teil 5 der Reise und Teil 1 aus Georgien sind noch im Schnitt. Bleib also gespannt.

4 Kommentare
        • Stefan Schüler
          Stefan Schüler sagte:

          Versuch bloß nicht die Holme durchzuschieben. Alleine ist das nicht so einfach. Wir haben das Windschild demontiert und mit Zurrgurt die Gabel in die Federn gezogen. Dazu einfach eine Verlängerung in die Steckachse auf der rechten Seite einführen. Dann dazwischen u der Gabelbrücke verzurren. Klappt sehr gut. Gruß, Stefan.

           
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