Trampen: 10 Tipps und Regeln

Trampen: 10 Tipps und Regeln

Per Anhalter fahren, Trampen, Hitchhiking. Drei Begriffe, die augenscheinlich das gleiche meinen: kostenlos von A nach B zu kommen. In diesem Beitrag berichte ich von meinen Erfahrungen mit dem Trampen und nenne die zehn wichtigsten Regeln.

Zuletzt durchquerte ich in elf Monaten den gesamten australischen Kontinent, die Hälfte per Anhalter. In der ganzen Zeit sah ich lediglich drei andere Tramper. Einen an der Südwestküste und zwei weitere an der Ostküste. Ein Zufall? Nein. Vor 20 bis 30 Jahren gehörte der Hitchhiker fest zum Straßenbild dazu, heute und obwohl die Welt global zusammen rückt, zählt er zu einer aussterbenden Rasse. Schade, denn ihr reist intuitiv, wisst nie, wo ihr am Ende des Tages landet, lernt außergewöhnliche Menschen kennen und erlebt spannende Geschichten, die eure Reise farbenfroh und einzigartig machen. Doch Vorsicht. Die Gesundheitsminister warnen: Trampen macht süchtig. Aber damit es erst zur Sucht werden kann und der Spaß dabei nicht zu kurz kommt, hier die zehn Tipps und Verhaltensregeln für erfolgreiches Trampen über lange Distanzen.

Trampen: Tipps und Regeln Trampen über lange Distanzen

Viele Regeln sind logisch und lassen sich mit vernünftigen Menschenverstand erklären. Wenn ihr wenig Erfahrungen mit Trampen gesammelt oder selbst noch keinen Anhalter mitgenommen habt, dann versucht euch in die Rolle des Auto- oder Truckfahrers hinein zu versetzen. Nur ein Beispiel: Fragt euch, würde ich für den unfreundlich guckenden Typen anhalten, der ungepflegt am Straßenrand steht und sich hinter einer tiefschwarzen Sonnenbrille und weit ins Gesicht gezogenen Baseballmütze versteckt?

# 1: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“

Fahrer, die weit wollen, starten früh. Das solltet ihr auch. Gegen Abend und bei Einbruch der Dunkelheit findet ihr schwerer einen Lift.

# 2: „The Worst Case“

Seid vorbereitet, falls ihr keinen Lift bekommt oder irgendwo strandet. Ein Schlafsack, Zelt sowie Trinken und Essen für zwei Tage solltet ihr in abgelegenen Gegenden immer dabei haben.

# 3: „Smile“

Die Leute, die euch mitnehmen, tun euch einen Gefallen. Vergeßt das nie. Euch in ein Auto zu setzen, Kopfhörer auf die Ohren oder einzupennen ist unhöflich. Als Tramper bezahlt ihr mit euren kleinen Storys. Sicherlich, wer kostenlos von A nach B kommen möchte, schafft das, hat aber keineswegs die Philosophie vom Trampen verstanden.

# 4: „Safty First“

Ich will euch keine Angst machen, nur die Augen für die Realität öffnen. Die Welt kann ein verdammt grausammer Ort sein, insbesondere für Frauen. Entführungen und Morde an Anhalter sind nichts Ungewöhnliches. Wenn ihr euch unsicher seid, lehnt den Lift ab. Seid geduldig, es kommt der nächste. Zudem solltet ihr ein Messer oder Pfefferspray griffbereit haben sowie angebotenes Essen und Trinken freundlich ablehnen, wenn dir die Situation während der Fahrt suspekt erscheint. Die Polizei rät generell vom Trampen ab. Trotzdem empfiehlt sie den Unverbesserlichen unter uns, eine SMS an Freunde zu senden, mit einer Beschreibung des Fahrers, Fahrzeuges und natürlich dem Nummernschild.

# 5: „Rastplätze und Kreuzungen“

Tankstellen und Verkehrsknotenpunkte bieten euch die beste Möglichkeit, einen Sitz zu ergattern. Besonders Rastplätze und Tankstellen, da ihr die Leute persönlich ansprechen könnt. Dort findet ihr Trucker, der Freund eines jeden Backpacker. Sie fahren täglich hunderte Kilometer und sind für etwas Unterhaltung dankbar. Gerade in Down Under sollte jeder einmal im Fahrerhaus eines dieser riesigen Roadtrains gesessen haben.

# 6: „Go with the flow“

Ihr werdet ungewöhnliche Leute kennenlernen, die euch neue Wege und Ideen offenbaren. Lasst euch treiben und inspirieren. Wer im Zeitdruck ist, sollte nicht Trampen, lieber Bus und Bahn nehmen.

# 7: „Keine Städte“

Aus dem Zentrum großer Städte einen Lift ergattern, ist Knochenarbeit. Wenn es sich verhindern lässt, lasst euch außerhalb an Umgehungsstraßen absetzen. Falls ihr in einer Stadt gestrandet seid, versucht ans Stadtende zu gelangen und dort den Finger zu heben.

# 8: „Show & Shine“

Aufmerksamkeit erregen ist alles. Ein buntes T-Shirt, eine verrückte Mütze, ein lustiges Schild, verschaffen euch eher eine Mitfahrgelegenheit. Wobei ein Schild nicht zwingend notwendig ist. Ich habe es nur zwei Mal benutzt, weil ich glaube, dass viele Fahrer nicht halten, da sie annehmen, nicht genau zu dem Ort zu fahren. Schade, hätten sie dich vielleicht hunderte Kilometer in die richtige Richtung mitnehmen können. Tipp: Schild für kurze Distanzen.

# 9: Allein oder zu zweit?

Logisch, jedes Fahrzeug hat nur eine begrenzte Anzahl an Sitzplätzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass euch ein Bus einen kostenlosen Lift gibt, ist verschwindend gering. Ihr solltet euch daher vorher Gedanken machen, mit wie vielen Personen ihr trampt. Ich hitchhike immer allein. Ein Sitzplatz ist schnell gefunden. Mit steigender Anzahl der Tramper sinkt jedoch eure Chance rapide, schließlich wollt ihr eure Freunde auch nicht am Straßenrand zurücklassen. Zwei Personen sind nach meinen Erfahrungen das Maximum. Dabei werdet ihr als Frau/Frauen oder als Mann mit Frau, deutlich häufiger einen Lift ergattern, als zwei bärtige Männer.

# 10: Kenne dein Ziel!

Kennt immer euren Zielort und die größten Orte, die auf dem Weg dahin liegen. Wenn ihr in Ländern oder Gebieten reist, wo die Sprachbarriere ein Problem darstellt, habt immer eine Karte dabei. Mit Karten (Faltkarten oder digitalisiert) ist nonverbale Verständigung möglich. Im indonesischen Regenwald hat das mir einmal den Hals gerettet. Unterschätzt diese Regel also nicht.

Mit diesen 10 Regeln und Tipps zum Trampen, steht euren nächsten Abenteuer nichts mehr im Wege. Viel Erfolg beim Trampen…

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