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Höhenkrankheit Kilimandscharo: Richtig Handeln

Höhenkrankheit Kilimandscharo

 

Höhenkrankheit Kilimandscharo

Höhenkrankheit Kilimandscharo: Ursachen, Symptome, Behandlung

Dünne Luft und Höhenkrankheit am Kilimandscharo. Den „Kili“ zu besteigen, ist für viele Hobbybergsteiger und Bergtouristen ein großer Traum. Ein Traum, der realistisch ist. Nicht umsonst gilt der Berg, je nach Route, als technisch nicht schwierig zu besteigen. So versuchen jedes Jahr Tausende den Gipfel zu erklimmen.

Das größte Problem am Kilimandscharo stellen für dich jedoch nicht die klettertechnischen Fähigkeiten dar, sondern vielmehr die geografische Besonderheit des Berges. Bei dem höchsten alleinstehenden Berg der Welt überwindest du dabei in kürzester Zeit sehr große Höhenunterschiede zwischen dem Fuß und dem Gipfel. So kommt es nicht selten vor, dass Touristen aus ihren Heimatländern mit dem Flugzeug nach Tansania oder Kenia fliegen, am Folgetag zu einem der Parkeingänge gekarrt werden und dann innerhalb von vier bis fünf Tagen zum Gipfel aufsteigen. Im Extremfall ein Höhenunterschied von fast 6.000 Metern in weniger als einer Woche. Eine Höhendifferenz, die nicht wenige Besucher mit der Höhenkrankheit bezahlen.

Ursachen Höhenkrankheit

Aber keine Angst, diese gibt es für dich gratis zur Kilimandscharo-Besteigung dazu. Grund dafür ist die Reaktion des Körpers auf den veränderten Luftdruck und der daraus resultierenden Abnahme des Sauerstoffpartialdrucks mit zunehmender Höhe. Dabei beträgt der Sauerstoffgehalt auf dem Gipfel nur noch fast die Hälfte des Gehaltes auf Meeresspiegelniveau. Die Reaktionen des Körpers auf diesen Sauerstoffmangel können nur einige leichte Symptome sein oder aber auch schwere Erkrankungen, die bis zum Tod führen können. Ob oder wie stark du auf den Sauerstoffmangel reagierst, ist sehr individuell und weniger abhängig von deinen Erfahrungen, deinem Trainingszustand oder gar deinem Alter. Ausbrechen kann sie aber bei jedem. Deshalb kann man nie voraussagen, ob du deswegen Probleme bekommst oder nicht.

Symptomklassen Höhenkrankheit

In der Literatur werden dabei drei Symptomklassen (leicht, mittelschwer, schwer) unterschieden. Leichte Symptome sind leichte Kopfschmerzen, Unlust, allgemeiner Leistungsabfall und Unwohlsein sowie ein um mehr als 20 Prozent erhöhter Puls.

Symptome der zweiten Klasse sind dauerhafte, heftige Kopfschmerzen, Herzrasen, Atemnot, Schwindel, stärkere allgemeine Unlust, stärkerer Leistungsabfall, nächtliche Einschlafbeschwerden, trockener Husten, Gang- und Trittunsicherheit sowie ein dunkel gefärbter Urin mit einer Ausscheidungsmenge von weniger als ½ Liter pro Tag.

Zu den schweren Symptomen zählen schwerste, kaum erträgliche Kopfschmerzen, starkes Herzrasen, Verwirrungszustände, völlige Unlust, extremer Leistungsabfall, schwerster Husten, fast keine Urinausscheidung, Lungen- oder Herzödeme sowie auftretende Thrombosen.

Höhenkrankheit und Höhe

Bis zu einer Höhe von circa 2.000 Metern musst du mit keinerlei Symptomen oder kaum Beeinträchtigungen deiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit rechnen. In der anschließenden, sogenannten Zone der „vollständigen Kompensation“ (2.000 m bis 4.000 m) ist es theoretisch gut möglich, sich an diese Höhe zu gewöhnen (Akklimatisierung). Der Körper passt sich bei langsamem Aufstieg und längerem Aufenthalt an den Sauerstoffmangel durch erhöhte Atmungsfrequenz und Bildung zusätzlicher roter Blutkörper an.

Nach einer Faustregel sollte man für eine gute Akklimatisierung höchstens 300-500 Meter höher als am Tag zuvor schlafen. Aber genau das ist das Problem bei der Besteigung des Kilimandscharos, weil dort die einzelnen „Camps“ oft bis zu 1.000 Höhenmeter auseinander liegen und die Bergsteiger bei ihren geführten Touren in kürzester Zeit bis auf den Gipfel gepeitscht werden. Oft verschwinden die Symptome jedoch nach einer gut durchschlafenen Nacht. Des Weiteren bietet es sich auch an, einen extra Tag in dieser Zone für die Akklimatisierung zu buchen. Denn ab 4.000 Metern Höhe, in der Zone der unvollständigen Kompensation, kann sich dein Körper selbst bei längerem Aufenthalt nicht mehr akklimatisieren.

Maßnahmen bei Symptomen der Höhenkrankheit

Sollten bei dir Symptome auftreten, die auf eine Höhenkrankheit hinweisen, sind entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Diese richten sich entscheidend nach der Symptomstärke. Deshalb sind diese analog zu den Symptomklassen eingeteilt.

Leichte Symptome

Wenn du über leichte Symptome klagst, solltest du den weiteren Aufstieg erst einmal abbrechen und wenn möglich eine längere Pause einlegen, unter Umständen sogar zu einer tiefer gelegenen Hütte absteigen. Im Camp solltest du die Kopfschmerzen eventuell medikamentös behandeln, dann den nächsten Tag abwarten. Wenn die Symptome nach einer durchschlafenen Nacht abgeklungen sein sollten, kannst du einen weiteren Aufstieg riskieren.

Mittelschwere Symptome

Mittelschwere Symptomen müssen behandelt werden. Wenn du trotz Akklimatisierung, der Aufnahme von ausreichend kohlenhydratreicher Ernährung und reichlichen Mengen an Flüssigkeit höhenkrank wirst und sich mittelschwere Symptome eingestellt haben, dann gibt es nur eine wirksame Medizin: absteigen. Denn im schlimmsten Fall besteht die Gefahr, dass sich in deiner Lunge und im Gehirn Ödeme bilden. Mit diesen beiden Symptomen ist nicht zu spaßen, sie können potenziell tödlich enden.

Es gibt zwar keine offiziell zugänglichen Daten, aber schätzungsweise bezahlen jährlich 20 Touristen und etliche Guides und Träger das Abenteuer Kilimandscharo mit ihrem Leben. Deshalb ist bei mittelschweren Symptomen – je nachdem, auf welcher Höhe du dich gerade befindest – ein Abstieg um circa 1.000 Höhenmeter oder bis auf eine Höhe von etwa 2.000 Metern und, falls vorhanden, eine sofortige Beatmung mit Sauerstoff und die Anwendung eines „Überdrucksacks“ zur Dekompression, indiziert.

Schwere Symptome

Sobald du an schweren Symptomen leidest, besteht akute Lebensgefahr. Es müssen sofort Maßnahmen getroffen werden: Abstieg um mindestens 1.000 Höhenmeter, Sauerstoffzufuhr, Aufenthalt im „Überdrucksack“ und bei Ödembildung ein unerlässlicher Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus.

Quellen: Mees, K. (2010). Höhentrekking und Höhenbergsteigen; www.goruma.de; Stewart, A. (2006). Kilimanjaro: A Complete Trekker’s Guide.

Auf meiner Tour zum Gipfel des Kilimandscharos 2014, erwischte mich die Höhenkrankheit eiskalt. Obwohl ich die tollen Broschüren darüber gelesen hatte, ignorierte ich so ziemlich jede Regel für den Traum vom Gipfel. Ein riskantes Spiel, das ich fast mit dem Leben bezahlt hätte.

Wenn ihr auch auf dem Kili wart, ähnliche Erfahrungen – positive wie negative – gemacht habt, würde ich mich freuen, wenn ihr sie mit uns teilt.

1 Antwort

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  1. […] Thema Höhenkrankheit findest du explizit auf dieser Webseite noch detailliertere […]

     

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