Angst ist ein schlechter Begleiter, nicht nur auf Reisen, auch im Leben.

Zu Zeiten von Corona, zu Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, Hamsterkäufen und bewegten Bildern aus Italien, wo Militärkonvois hunderte Leichen abtransportieren, sitzt die Verunsicherung tief. Sie hat sich eingebrannt und wird mit jeder weiteren Eilmeldung, weiteren Experten-Talkshow und jedem Verschwörungstheoretiker, der auf diesen rasenden Zug aufspringt, angefeuert. Wer hat da schon einen Nerv für Reisevorbereitungen?

Die Grenzen sind dicht, Flüge sind gestrichen, gebuchte Touren storniert. Es scheint als würde das Leben zum Erliegen kommen. Als würden wir uns im Schneewittchenschlaf, im permanenten Schwebeflug befinden und jeder Gedanke ans Reisen im Angesicht der Lage in Europa, der Lage weltweit, ein Verrat an der Solidarität sein. Kein Arsch scheint sich mehr fürs Reisen zu interessieren.

Nur, ist die Krise, die sich Corona in fetten Lettern aufs Banner gepinselt hat, nicht auch eine Chance? Eine Chance für Entschleunigung? Eine Chance, sich um unsere Familien zu kümmern? Eine Chance uns selbst zu verwirklichen? Ich mag diesen Gedanken: Corona als Chance zur Selbstverwirklichung!

Die „Big Five For Life“

Was schreibt der da, wirst du dich jetzt vielleicht fragen. Aber lass es mich kurz am Beispiel der „Big Five For Life“ erklären, einem Begriff, der leider nicht auf meinem Mist gewachsen ist.

Streleckey hat es in seinem gleichnamigen *Buch ziemlich treffend visualisiert. Jeder Mensch sollte seinen „Zweck der Existenz“, den ZDE, kennen. Nur wenn du weißt, wer du gerade bist, an welchen Punkt deines Lebens du dich gerade befindest und dann erkennst, wer du wirklich sein möchtest. Was du verkörpern möchtest. Wie du deiner beschränkten Zeit auf dieser Erde einen Sinn für dich gibst, der dich erfüllt und wonach du alle deine Handlungen ausrichtest, dann, und nur dann, kannst du dich selbst verwirklichen. Die „Big Five For Life“ helfen dir lediglich dabei.

Wie bei einer Safari in der tansanischen Serengeti, wird der Erfolg daran bemessen, wie viele Tiere der Big Five (Löwe, Nashorn, Büffel, Leopard, Elefant) du zu Gesicht bekommen hast. Je mehr desto besser. Die „Big Five For Life“ sind also nichts anderes als die 5 wichtigsten Dinge in deinem Leben, die du gemacht, gesehen oder erlebt haben möchtest, bevor du ins Gras beißt.

Interessant ist dabei nur, das über 90% der Menschen eine Weltreise auf die Liste ihrer „Big Five For Life“ setzen würden. Über 90 Prozent!

Big Five For Life

Mount Fyffe in Neuseeland

Und so möchte ich wieder den Bogen zurück zum Reisen und zur Corona-Kiste spannen.

Warum nutzen wir nicht die Zeit, die uns dieses elende Virus geschenkt hat und denken über unsere „Big Five For Life“ nach? Denken darüber nach was wir noch gemacht oder gesehen haben wollen im Leben. Denn eines ist sicher: Sterben werden wir alle. Das ist unumstößlich und hat nichts mit Corona zu tun. Vielleicht hat es einen Grund, warum ich nachts aufgewacht bin und mich genötigt gefühlt habe diesen Beitrag in die Tasten meines Laptops zu hämmern. Wer weiß.

Fakt ist, Reisen verändert und lässt dich die Welt so erkennen wie sie ist und nicht wie dir am Flimmerkasten vorgegaukelt wird, das sie sein möge. Die Corona-Krise wird vergehen und die Welt wird uns wieder offen stehen. Nutzen wir die Zeit und Planen für die Zeit danach. Ließ Bücher übers Reisen, durchstöbere Reiseblogs, kläre mit deiner Arbeit ein Sabbatical ab oder such dir einen neuen Job, der besser zu deinem „ZDE“ und deiner „Big Five For Life“ passt.

Ich weiß, das hört sich wie Klugscheißen an und du kannst mir sicherlich ein Dutzend Einwände an den Kopf werfen, die dir die negierte Gesellschaft in den Kopf gepflanzt hat. Aber hinterfrage dich einmal ehrlich selber. Und komm mir jetzt nicht mit SPÄTER. „Später wenn ich Rentner bin…dann habe ich Zeit und kann die Welt bereisen…“ Ich will dich nicht desillusionieren und ich weiß, nicht jeder Raucher bekommt automatisch Lungenkrebs, aber diese Zahlen muss ich dir leider unter die Nase reiben:

Einer von 6 Menschen erreicht erst gar nicht das Rentenalter. Und von denen, die es durchs gefährliche Leben bis zur Rente schaffen, sind 30 Prozent körperlich so eingeschränkt, das mit Reisen, so wie sie sich das immer vorgestellt haben, nicht mehr viel möglich ist.

Willst du also SPÄTER an den Sitz des Toyota Tour-Busses gefesselt sein und stupide aus dem penibel geputzten Panoramafenster gucken oder willst du den Weg von der Great Ocean Road hinunter zum Meer rennen und dich in die salzigen Fluten stürzen? Willst du mit deinem dicken Portemonnaie in der Hosentasche aus dem Helikopter glotzen oder selbst schwitzend und glücklich mit dem Rucksack zu Fuß den Himalaya durchstreifen? Möchtest du mit den Eingeborenen mit Pfeil und Bogen durch den afrikanischen Busch pirschen oder lediglich Dokus darüber im Discovery Channel anschauen?

Nochmal, hinterfrage dich einmal ehrlich selber:

Möchte ich wahrlich leben oder anderen Leuten beim Leben zugucken?

2 Kommentare
  1. Niklas Schütze
    Niklas Schütze sagte:

    Hey Stefan,
    ein echt super Buch!
    Sonst sind auch die weiteren Bücher, wie das „Café am rande der Welt“ sehr lesenswert.

     
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    • Stefan Schüler
      Stefan Schüler sagte:

      Das Buch „Café am Rande der Welt“ habe ich im Original im Himalaja 2016 auf dem Weg zum Everest gelesen. Das hat mir von seinen Büchern bisher am Besten gefallen. Gruß Stefan

       
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