Große Arnspitze bei Scharnitz (1./2. März 2020) mit Video

Wenn du das Abenteuer suchst, wird es dich finden, egal in welche Himmelsrichtung du gerade Ausschau hältst.

Es war nicht ausgesprochen aber innerlich wussten Nik und ich, das wir die Große Arnspitze in Angriff nehmen werden. Einen Tag lang hatten wir in Mittenwald gesessen und über Karten gehangen, Routen aufgestellt, Routen wieder verworfen. Wir wollten in die Natur, in den tiefen Schnee, viele Höhenmeter unter die Bergschuhe bringen und unterwegs für 2 bis 3 Tage Zelten.

Erst Lawinenwarnstufe 3, dann wieder 2. Starke Winde. Neuschnee. Die Vorzeichen drehten sich ständig und die Route durchs Isartal, dem Karwendelgebirge und dem Wettersteingebirge, die wir uns ausgedacht hatten, drehte sich ebenfalls wie eine tibetische Gebetsfahne im Wind.

Letztendlich stopften wir unsere Ausrüstung und Verpflegung für 3 Tage in unsere großen *Trekking-Rucksäcke und trotteten los. Die Spontanität und die sich stündlich ändernde Wetterlage sollten unser Kompass sein. Routen in der Region gibt es schließlich genügend, ob die im Winter auch begangen werden sollten/ können, steht auf einem anderen Blatt.

Von Mittenwald nach Scharnitz über den Leitersteig

Im ersten Abschnitt unserer Tour starteten wir in Mittenwald und gingen über den zugeschneiten Leitersteig bis auf 1.400m hinauf und arbeiteten uns Richtung Scharnitz.

Da der Leitersteig seit Tagen gesperrt war, was wir aber nicht wussten, lag jungfräulicher Schnee am Berghang des Karwendel und wir durften unseren Weg selber durch den Leiterwald spuren. Herrlich.

Über den Leitersteig bei Mittenwald werde ich noch ein separates Video und einen Beitrag auf www.burning-feet.com für dich hochladen. Stay tuned!

  • Der Leitersteig im Karwendelgebirge im Winter (in Arbeit)

Große Arnspitze: Die Entscheidung

13 Uhr. Brotzeit an der alten Isar-Holzbrücke, die zur Porta Claudia Ruine bei Scharnitz führt. Es gab Weißbrot mit Käse und einer Knacker. Was es aber noch gab, war eine gute Nachricht vom Wetterdienst. Die Lawinengefahr war von 3/2 auf 2/1 heruntergestuft worden, der Wind hatte sich gelegt aber es waren nachts bis zu 20 Zentimeter Neuschnee für die höheren Lagen angekündigt.

Die Entscheidung war gefallen. Alle anderen Routen, die uns zur Alternative standen, verblassten im Angesicht der Großen Arnspitze. Das war kein Hügel, das ist ein echter Berg. Hochalpines Gelände. Spaß und Herausforderung. Die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Die Grenze zwischen „wir latschen durchs verschneite Tal“ und „ein Abenteuer“.

Das Ziel stand fest: Die Arnspitzhütte auf 2.003m.

Sollte es 20 Zentimeter Neuschnee geben, hätten wir dort nachts Zuflucht suchen können. Für einen Obolus von 5 Euro pro Person kannst du dort in dieser offenen Unterstandshütte übernachten. Sie gehört zum DAV Sektion Hochland. Bei besten Bedingungen ist sie im Sommer in 2,5 Stunden von Scharnitz erreichbar. Aber wir hatten ja Winter.

Das wir die Arnspitz-Überschreitung mit schweren Gepäck und unter den Bedingungen nicht schaffen konnten, war aber von Anfang an klar.

Große Arnspitze im Wettersteingebirge: Versuch einer Winterbesteigung

Anfangs führt die Route über Waldforstwege, bevor der Track startet und links als Pfad ins Gebirge abbiegt. Kleine rotweiße Markierungen sind an den Bäumen oder auf Steinen aufgemalt. Oft sind sie eingeschneit. Das Navigieren ist auf der Arnspitz-Route im Winter deutlich erschwert.

Zu unserem Vorteil muss ein ortskundiger Bergsteiger mit Schneeschuhen versucht haben die Arnspitzhütte zu erreichen. Seine Spuren waren 2 bis drei Tage alt und unter dem Neuschnee noch gut zu erkennen. Folge den Brotkrumen! „Hänsel und Grätel“-like folgten wir seinen Abdrücken.

Der Pfad führt schnell in steiles Gelände. Es bestand Steinschlag und Lawinengefahr. Serpentinenartig schlängelte sich der Pfad durch dichten Nadelwald. Mit den schwer bepackten Rucksäckten wird einem im Aufstieg definitiv nicht kalt.

Unberührte Natur.

Mit viel Glück entdeckst du die Markierungen auf Steinen.

Nach 3 Stunden und auf 1600 Höhenmetern war Schluss. An ziemlich genau der Stelle, wo der Schneeschuhwanderer aufgegeben hatte, mussten auch wir die Fahne hissen. Es wurde einfach zu gefährlich. Wir hatten die Baumgrenze erreicht, uns teilweise auf allen vieren im Schnee nach oben gekämpft aber hier musste die Vernunft siegen.

Die Schneedecke war nicht stabil. Es gab hohe Schneeverwehungen. Einige der Schneefelder hatten bereits Verwerfungslinien. Im bis zu 60 Grad steilem Gelände dort mit schwerem Gepäck drüber zu marschieren, wäre dämlich gewesen.

Abgesehen davon lief uns die Zeit davon. Bis zur Arnspitzhütte wären es weitere 400 Höhenmeter im stark exponierten, unbekannten Gelände gewesen. Zeit, die wir bis zum Einbruch Dunkelheit nicht annährend mehr hatten.

GPX Großer Arnstein

GPS-Tracking von Porta Claudia bis zur Umkehr und Abstieg zum SchneeCamp (blaue Fahne).

Zelten im Wettersteingebirge

Zeit für den Rückzug. Zum Glück hatte ich das Zelt im Rucksack und alles was für eine Übernachtung im Winter am Berg notwendig war.

Wir stiegen noch 100 Höhenmeter ab und fanden ein kleines Plateau genau am Grenzstein zwischen Österreich und Deutschland. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf das Isartal Richtung Mittenwald.

Weil wir nachts vom Wind nicht unbedingt über die Klippe gefegt werden wollten, haben wir die Zeltheringe tief in den Schneebogen gesteckt und mit Schnee festgeklopft. Bei richtigem Winkel und dem entsprechenden, „backenden“ Schnee, ist das wie ein Betonanker, der am nächsten Morgen mühevoll entfernt werden muss. Noch eine kleine Wand gegen Schneeverwehungen und die Ecken des Zeltes mit Schnee fixiert und schon kann der Sturm kommen.

Große Arnspitze

Ach waren das Zeiten, als man noch mit Klopapier Feuer angezündet hat 😉

Die Temperaturen sind schlagartig auf Minus 10 Grad gefallen. Das größte Problem war Trinkwasser zum Essen und Trinken gewinnen. Mit meinem *Primus Gaskocher haben wir 2 Liter Schnee geschmolzen. Achtung: Durch die osmotische Wirkung solltest du nicht zu viel geschmolzenen Schnee trinken!

Es gibt schöneres als zwei ausgewachsene Männer in einem Einmannzelt im Winter aber in meinem Hilleberg hat das erstaunlich gut funktioniert. Gut zu wissen als Notlösung für kommende Bergtouren.

Ich werde mal noch einen extra Beitrag über Winterzelten (Ausrüstung usw.) schreiben und hier verlinken. Ist bestimmt für den ein oder anderen interessant.

  • Winterzelten: Ausrüstung zum Zelten im Schnee (in Arbeit)

Rückzug von der Großen Arnspitze mit einem Abstecher zur Porta Claudia Ruine

Der anfängliche Regen war in Schnee übergegangen und hatte unser Lager mit einer fluffig-weißen Schneeschicht überzogen. Die Sonne hob sich über die Grate des Karwendelgebirges und traf direkt auf die zugefrorene Zeltwand. Die Eiskristalle funkelten orange und ich konnte es kaum abwarten aus meinem Expeditionsschlafsack zu klettern und den neuen Tag zu begrüßen.

Große Arnspitze Camping

Suchbild: Finde den Rucksack

Frostbeule Nik in seinem dünnen Hüttenschlafsack dagegen, scheute sich davor das Zelt zu verlassen, wie die Katze das Wasser.

Nachdem wir das Zelt vom Eis befreit hatten, ging es in den Abstieg. Die Luft war rein und bis auf uns gab es niemanden am Berg, der die natürliche Ruhe unterbrochen hätte.

Zurück an der Isar, statteten wir der Porta Claudia Ruine bei Scharnitz noch einen Besuch ab und liefen direkt am Ufer der Isar (Isarweg) entlang zurück nach Mittenwald.

Auf der alten Wehrmauer der Porta Claudia bei Scharnitz

Große Arnspitze Mittenwald

Abstieg vom SchneeCamp bis nach Mittenwald.

Am Tag darauf sollte es auf den Grünkopf gehen.

 

Mein Fazit zur Großen Arnspitze

Wir waren zwar weit davon entfernt auch nur annährend den Gipfel der Großen Arnspitze oder die Arnspitzhütte zu erreichen, aber am Berg Zelten und dabei eingeschneit zu werden, war genau das Abenteuer, was ich gesucht habe und was mich gefunden hat.

Wie sehen deine Erlebnisse mit der Großen Arnspitze (Sommer oder Winter) aus? Was war dein schönstes Winterzelten? Schreib es in die Kommentarbox oder werde gleich Gastautor auf www.burning-feet.com

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