Wie gern denke ich an diesen Moment zurück. Der Moment, als der Himmel brannte. Als ein eisiger Wind mir um die Nase pfiff und das blutorangenfarbene Meer aus Wolken unter dem Gipfel des Mount Fyffe bei Kaikoura greifbar schien.

Reisebericht NeuseelandEs war einer dieser Tage. Einer geprägt von Gelegenheiten und dem Zufall. Der Gelegenheit spontan per Anhalter von Christchurch gen Norden nach Kaikoura mitgenommen zu werden. Dem Zufall, das ein Marihuana rauchender Maori mir in eben diesem Kaikoura vom Mount Fyffe erzählte. Mount Fyffe, dem seiner Meinung nach herausragenden Ort, um den Sonnenuntergang über die seeseitig abfallende Kaikoura Range zu genießen. Dieser Maori war echt überzeugend und die Begeisterung für seine Region und insbesondere dem Mount Fyffe war in jeder Silbe greifbar. Aristoteles hätte seine Freude an diesem Maori gehabt und nur halb soviel Pathos und Ethos seiner Rede hätten bereits ausgereicht, mich Feuer und Flamme für die Idee des Mount Fyffe bei Sonnenuntergang zu kriegen.

Mount Fyffe bei Nacht

Zwei junge Dänen aus dem Hostel wollten mich begleiten. Zu dritt düsten wir mit ihrem Leinwagen zum 15 Kilometer entfernten Mount Fyffe Car Park. Es war später Abend. Die Bucht um Kaikoura ächzte unter einer dicken Wolkendecke. Kein Blick auf den Gipfel war zu erhaschen und die Chancen auf einen unvergesslichen Sonnenuntergang sanken bereits beim Abmarsch gen Zero.

Wir waren eh spät dran und die Wandertafel am Car Park schockte uns mit einem 5-stündigen Aufstieg zum Gipfel. Stolze 5 Stunden, um 1.400 Höhenmeter aufzusteigen. Leider wären wir dann 1 1/2 Stunden nach Sonnenuntergang am Gipfel angelangt. Es half nichts, ich musste die beiden Dänen und mich mächtig antreiben. Antreiben über einen recht steilen, elend langen Schotterweg, der breit genug war, um einen 4×4 dort hocheiern zu lassen. Ich hasse solche Wege. Lieber krabbele ich tagelang über Felsen und durch tiefstes Unterholz, aber bei solchen Schotterwegen bekomme ich Pickel.

Mount Fyffe Aufstieg

unterhalb der Wolkendecke auf dem einzig flachen Stück im Aufstieg…

Schritt für Schritt, Meter um Meter

Der monotone Weg den Mount Fyffe hinauf brennt einem die Waden weg. Du bist permanent nur auf dem Vorfuß und, ungelogen, es geht bis auf ein kleines 50 Meter Stück konstant mit ca. 25% Steigung hinauf. Schwitzen vorprogrammiert. Erst recht wenn du dich abhetzt.

Mount Fyffe Vegetation

Was dem einen sein Leid, ist dem anderen sein Zuhause…

Aber gab auch Positives. Nach ungefähr 1 1/2 Stunden durchbrachen wir die dichte, vor Feuchtigkeit triefende Wolkendecke und das Kowhai Valley zeigte sich in einer ersten Pracht. Für die Maori war dieses Stück Neuseeland mit den dichten Wäldern früher sehr bedeutend. Es lieferte ihnen Nahrung, Medizin und Holz für ihre Kanus.

Trekking Neuseeland

Mount Fyffe Hut (1.100m)

Die offizielle Wanderzeit bis zur Hütte sollte 3 Stunden betragen. Nach insgesamt 1 Stunde und 45 Minuten erreichten wir durchgeschwitzt die Mount Fyffe Hut (Schutzhütte; 1.100 m), in der es sich zwei Franzosen am lodernden Holzofen gemütlich gemacht hatten. Wir lagen wieder gut in der Zeit.

Tipp: In der Mount Fyffe Hut kannst du übernachten. Platz ist für ungefähr 4 Personen. Ein toller Ort für eine Übernachtung und strategisch genial gelegen, um Sonnenuntergang und/ oder Sonnenaufgang am Gipfel zu erleben. Für diese Hütte benötigst du einen „Backcountry Hut Pass“ oder ein Ticket, das du in der i-Site in Kaikoura bekommst oder in allen DOC (Department of Conversation) Stellen in Neuseeland. Geht also auch online, wenn du dort registriert bist. Genug Platz für mehrere Zelte und eine Toilette gibt es bei der Hütte auch. Was ihr mit dieser Aussage anfangt, liegt bei euch 😉

Wenn die Natur dich sprachlos macht

1 Stunde 30 Minuten bis zum Gipfel, zumindest laut Wegweiser. Wir füllten unsere Wasserflaschen am Frischwassertank der Hütte auf und nach einem kurzem Plausch ging es weiter Richtung Gipfel. Loses Geröll. Ein schmalerer Pfad. Wind, der böig an unseren Körpern riss.

backcountry trekking

immer wieder zogen Wolken auf, die den Gipfel umschlossen…

Die Sonne senkte sich immer unaufhaltsamer hinter dem großen Bergkamm auf der anderen Seite des Kowhai Valley. Dieser Bergkamm mit seinen Gipfel überragte den Mount Fyffe (1.602m) um einiges. Der Uwerau (2.213m), der Manakau (2.608m) und der Snowflake (1.870m) stellten sich, wie gewohnt, den Sonnenstrahlen in den Weg und ließen ihren Schatten, ungeachtet unserer irdischen Befindlichkeiten, die Bergflanke des Mount Fyffle hochwandern.

Tipp: Wenn du sehr erfahren im Gebirge und in Navigieren bist, solltest du den Kowhai-Hapuku-Circuit machen. Das ist ein 2 bis 3 tägiger Rundwanderweg, der nicht markiert ist. Diese Route steht definitiv auf meiner Wunschliste für die Region um Kaikoura beim nächsten Besuch in Neuseeland.

Bergsteigen Neuseeland

ohne viel Worte

Was für ein Anblick. Wir hatten den Gipfel noch nicht erreicht, aber ein Felsvorsprung an einer mehrere hundert Meter steil abfallenden Flanke lud zu einem außergewöhnlichen Foto ein. Im Hintergrund der Bergkamm und ein weißer Wolkenteppich, der sich immer mehr verdichtete und das gesamte Kowhai Tal unter sich abschirmte. Man könnte auch sagen, der dicke Wolkenteppich schirmte uns zum Rest der Welt ab. Ein Deutscher und zwei Dänen, sonst nichts. Die Natur, wie sie nur den Bergsteigern und Bergwanderern vorbehalten ist.

Die Temperatur fiel rapide. Die Sonne senkte sich immer mehr und wir rammten unsere Stiefelspitzen in das lose Geröll des Pfades um die Chance auf den finalen Sonnenuntergang am Gipfel nicht zu verpassen.

Trekking around the wolrd

der Schatten wächst…

die letzten Höhenmeter

Nur Fünf Minuten bevor die untergehende Sonne die Wolken im Tal zum Glühen brachte, erreichten wir die kleine Bank, die neben dem Gipfelschild des Mount Fyffe stand. Der eisige Wind wurde so stark, das die beiden Dänen sich zum Schutz etwas hangabwärts hinsetzten und zitternd vor Kälte, den jetzt wolkenfreien Blick ins Tal hinunter nach Kaikoura „genießen“ konnten. Ich mit meiner Hightech Fleecejacke, der Hardshelljacke, Handschuhen und Wintermütze, konnte etwas entspannter den Sonnenuntergang bestaunen. Trotzdem merkte ich, wie stark wir, durch den leichtbekleideten Aufstieg und völlig nassgeschwitzt, ausgekühlt waren. Doch der Anblick entschädigte für alles.

Ein Video sagt mehr als tausend Worte.

Sunset New Zealand

die letzten Sonnenstrahlen…

Abstieg bei Nacht

Die Sonne war untergegangen, die Schwärze der Nacht legte sich über Neuseelands Südinsel und der Abstieg stand uns bevor. Auf der selben Route, wie im Aufstieg, ging es den Mount Fyffe hinab. Das Stück vom Gipfel zur Hütte über den unbefestigten Pfad, war dabei die größte Hürde. Während ich gerne steile Wege hinabrenne und das auch im Dunkeln gewohnt bin, schmiss es einen meiner dänischen Begleiter der Länge nach hin. Dreimal geschüttelt und weiter ging es. Bis auf die Tatsache, das es Dunkel war, war der Abstieg relativ unspektakulär und ich hätte deshalb gerne auf dem kleinen Plateau bei der Hütte übernachtet. Ging aber nicht. Am nächsten Morgen stand bereits das Whale Watching auf dem Programm.

Anyway, der steile Abstieg mit der permanent gleichen Neigung geht mächtig auf die Knie. Wenn du damit Probleme hast, solltest du dir definitiv Trekkingstöcker ausleihen, wenn du nicht eh schon welche hast. Alternativ gehen auch zwei Äste vom Baum, was die Ranger zwecks Naturschutz ungern sehen.

Insgesamt waren wir 1 1/2 Stunden im Laufschritt unterwegs, um vom Gipfel zum Mount Fyffe Car Park zu gelangen.

Wenn du weniger trainiert bist, solltest du mehr Zeit einplanen. Die Gefahr dir das Knie im Dunkeln zu verdrehen oder im Sprunggelenk umzuknicken ist relativ hoch. Oder lass dir einfach Zeit. Das Hektische an dieser Tour ist es, es bis zum Sonnenuntergang zum Gipfel zu schaffen. Im Abstieg ist der Drops dann längst gelutscht und du kannst pinao machen 😉

Wieviel Zeit benötigst du für den Mount Fyffe?

Wenn du richtig mitgerechnet hast, sind wir 2 1/2 Stunden aufgestiegen, haben eine halbe Stunde am Gipfel verbracht und benötigten anschließend 1 1/2 Stunden für den Abstieg. Summa Summarum 5 Stunden für den Berg und jeweils 25 Minuten für An- bzw. Abfahrt.

Sicherheitshinweis

  • Der Mount Fyffe zählt zu einem der geologisch aktivsten Berge in Neuseeland. Erdbeben in dieser Region sind nicht ungewöhnlich. Erst am 14. November 2016 gab es hier ein Erdbeben der Stärke 8 auf der MM-Skala, das das den Ort für Tage von der Außenwelt abschnitt.
  • Wo Wolken, da auch Regen! Am Mount Fyffe und dem Kowhai Valley können starke, plötzliche Regenfälle auftreten, die zu regelrechten Sturzfluten führen können.
  • Am Mount Fyffe bist du exponiert. Wenn du den Berg besteigst, solltest du IMMER warme Kleidung, Regenkleidung, ausreichend Essen und auch Wasser mitführen.
  • Ergänzend solltest du dir auch meinen Post „Checkliste Great Walks Neuseeland“ durchlesen. Hier ist der Link.

Mein Fazit zum Mount Fyffe

Die Entscheidung zum Sonnenuntergang den Mount Fyffe zu besteigen, war für mich genau richtig. Bis auf die zwei Franzosen in der Schutzhütte war der Berg völlig verwahrlost. Wenn du schon mal das morgendliche oder abendliche Theater am Roys Peak bei Wanaka erlebt hast, weißt du was es bedeutet einen Berg für dich ganz alleine zu haben (+2 Dänen).

Neben der Einsamkeit am Berg hatte ich aber auch enormes Glück mit dem Wetter. Dieser dicke Wolkenteppich im Kowhai Valley, in Kombination mit dem Sonnenuntergang, ist ein atemberaubendes Spektakel, das die Natur sicherlich nicht jeden Tag bereit hält.

Auch wenn die schottrige Allrad-Piste ziemlich abtörnend ist, ist die Aussicht vom Gipfelbereich jede Anstrengung wert. Du kannst von da oben einfach alles sehen: Die weiten Ebenen um das Städtchen Kaikoura, die Bergformationen und Hügelketten, die es umschließen, die Bucht und den grenzenlosen Ozean. Mit Glück entdeckst du auch Wale.

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