Queensland Great Walk Fraser Island

Fraser Island Australien BackpackingFraser Island: 123 Kilometer lang, 22 Kilometer breit, ist somit die weltweit größte Sandinsel und ganz nebenbei Weltnaturerbe. Soweit die langweiligen Fakten, die dir von jedem anderen Google-Eintrag geradewegs ins Gesicht springen. Warum also Fraser Island? Ganz einfach, weil jeder Aussie, den ich während meiner elf Monate in Australien getroffen habe, davon schwärmte. Jeder, kein Witz.

So setzte ich Fraser ganz oben auf meine to-do-Liste für Australiens Ostküste. Hier also mein wenig uniformer Reisebericht Fraser Island: Ohne Geld durchs Paradies.

PER ANHALTER NACH FRASER ISLAND (Tag 1)

Hitchhiking, nicht ganz ungefährlich, dafür unschlagbar günstig. Günstig und in meinem Fall die erste Wahl, wenn es darum geht, möglichst große Entfernungen auf dem Roten Kontinent zu überbrücken. Du weißt das. Groß bedeutet lumpige 1.340 Kilometer vom Yabulu – nahe Townsville – bis Fraser, wie die Aussies ihre Insel butterweich nennen. 1.340 Kilometer, für die ich nichts weiter zur Verfügung hatte als meinen braun gebrannten Daumen und das bewährte Ein-Million-Dollar-Lächeln. Was genau davon den Ausschlag gab, weshalb ich meinen ersten Lift ergatterte, werde ich nie erfahren, aber genau 31 Stunden, nachdem ich Yabulu verlassen hatte, setzte ich meinen ersten Fuß auf den „noch“ asphaltierten Boden von Fraser Islands Westküste.

Tipps: Fähre nach Fraser Island

Es gibt zwei Fähren, die von Australiens Festland nach Fraser Island übersetzen. Beide kannst du mit dem Auto nutzen. Aber Achtung: ein Allradfahrzeug ist Pflicht, sonst kommst du keinen Meter weit auf der weltweit größten Sandinsel.

  • Fähre von Hervey Bay (River Heads) nach Kingfisher Bay Resort. Achtung: Von Hervey Bay Harbour verkehrt keine Fähre mehr. Kosten Fähre: 30 Dollar pro Person (Einzelfahrt).
  • Fähre von Rainbow Beach nach Hook Point. Achtung: Dort gibt es kein Resort oder ähnliches. Nächster Ort ist ein kleiner, privater Campingplatz namens Dilli Village.

Am Kingfisher Bay Resort galt es eine Stunde vor Sonnenuntergang, langsam einen Schlafplatz zu finden. Die Nacht rückte unweigerlich heran, so auch die Flut. Geld hatte ich keines, erst recht nicht für die teuren Zimmer im Resort.

Einige Walking Tracks entpuppten sich als Sackgassen und ich war genötigt, das Zelt illegal am North White Cliffs Lookout aufzustellen. Inmitten des Resort-Geländes bestaunte ich die untergehende Abendsonne über dem Festland und zog mich mit dem Taschenmesser – der einzigen Waffe gegen die Dingos – ins Zelt zurück. Good Night Fraser.

FRASER ISLAND OHNE AUTO UND NUN? (Tag 2)

Ich hatte keinen Geländewagen, dafür zwei prall gefüllte Rücksäcke, einen auf dem Rücken und einen vor die Brust geschnallt. 28 Kilogramm insgesamt mit allem Sack und Pack, was ich in Australien besaß, plus Essen und Trinken. Nicht gerade handlich.

Irgendwie zur Ostseite der Insel, das war mein Tagesziel. Ein Plan musste her. Und wenn du keinen fahrbaren Untersatz hast, dann heißt es halt laufen. Und das tat ich. Von Kingfisher Bay Resort immer auf dem 4×4-Track entlang. Immer in der Hoffnung, jemand würde mich unterwegs auflesen. Immer durch verdammt tiefen und kräftezehrenden Pulversand, der von den Jeeps in wadentiefe Spurrillen ausgefahrenen ist.

Viel Verkehr herrschte nicht, weniger als an einer Hand abzuzählen wäre. Als ich noch 15 Kilometer Schwerstarbeit vor mir hatte, bereits zwei bis drei Stunden Schufterei hinter mir lagen, erbarmte sich ein Fahrer und gab mir einen Lift. Während der Fahrt füllte er mich mit Carlton Bitter ab, dem angeblich besten Bier der Welt, das aus Victoria kommt. Er und seine Familie gaben mir einen Lift, nicht nur bis zur Ostküste, sondern sogar bis Eli Creek, 30 Kilometer weiter nördlich.

Eli Creek, Touristenattraktion an Fraser Islands Ostküste

Eli Creek, eine der Hauptattraktionen für die organisierten Touren auf Fraser Island, wo Touris in Gummireifen gesetzt werden und unter tobendem Gelächter im Schneckentempo den kristallklaren Bachlauf herunter treiben. Nicht wirklich spektakulär. Lustig, ja.

Ohne Gummireifen – dafür in voller Montur und aller Ausrüstung – lief ich im knietiefen Bach stromabwärts, ganz zum Erstaunen der anderen Touris und geradewegs in die Arme von einem Dutzend sturzbetrunkener Aussies, die dort ein Saufgelage veranstalteten. Keine Ahnung warum, die Australier mögen mich. Und bevor ich mich versah, war ich adoptiert. Wurde Stevo mit Bier und Rum abgefüllt und zum abendlichen Barbecue mitgenommen.

Fraser Island Whale Watching

Buckelwale Fraser Island Australien

Spielende Buckelwale an Fraser Islands Ostküste

Ich dachte, der Tag könne nicht mehr besser werden, da geschah es: Keine 200 Meter vom Strand entfernt schießt ein haushoher Buckelwal der Länge nach aus dem Wasser, windet sich in einer halben Pirouette, schlägt anschließend in einer riesigen Fontaine aus Wasser auf dem blau-grünlich schimmernden, von kleinen Wellenkämmen überzogenen Ozean auf. Fliegende Wale, völlig unerwartet. Mein erster Wal in Australien. Mein erster überhaupt. Es verschlug mir die Sprache, der Unterkiefer klappte mir vor Erstaunen herunter und ich machte mir fast einen feuchten Fleck in die Hose. Es war überwältigend: ein Humpback Wale, der für mich Sprünge veranstaltete.

WALE, DELFINE, HAIE, SCHILDKRÖTEN UND CO. IM „GREAT SANDY MARINE PARK“ (Tag 3)

Fraser Island Orchid Beach Sunset

Sonnenuntergang am Orchid Beach (Blick vom Waddy Point)

Eine verregnete Nacht mit unerwartetem Besuch lag hinter mir, als ich mich am Morgen aus dem kleinen Einmannzelt pellte. Wilde Dingos hatten zeitweilig das Lager übernommen, stolperten über meine Zeltschnüre und fraßen sich an der restlichen Spaghetti Bolognese satt, die dem Alkohol geschuldet, offen herum lag. Sie kämpften gegeneinander, um das Festmahl, knurrten und jaulten im Kanon zum prasselnden Regen.

Eine verregnete Nacht im Einmannzelt mit wilden Dingos, die zeitweilig das Lager übernommen hatten, lag hinter mir. Gegen zehn Uhr verließ ich meiner Aussie-Freunde. Ich wanderte nordwärts am weißsandigen Strand entlang, der in beide Richtungen endlos erscheint. Der so breit und hart ist, dass Autos wie auf einem Highway und mit Tempo 100 auf ihm entlangbrettern. Immer mit ausgestrecktem Arm und erhobenem Daumen, wenn ein Allradfahrzeug mich passierte.

Wahrhaft lustig: Der gleiche Toyota-Fahrer vom Vortag mit seiner Familie hält wieder an, reißt eine Flasche Carlton Bitter auf und drückt sie mir unaufgefordert in die Hand. Wo sonst, wenn nicht in Australien passiert so etwas? In Deutschland hätte ich wahrscheinlich eine leere Bierflasche aus dem fahrenden Auto an den Kopf geworfen bekommen. Hier werde ich zwei Carlton Bitter und 25 Kilometer später am Indian Head herausgelassen.

Indian Head, Champagne Pools, Waddy Point & Orchid Beach auf Fraser Island

Am Indian Head kletterte ich auf das Cliff und setzte mich an die Kante, weit hinter dem „Zutritt verboten, Abbruchgefahr“-Zeichen. Somit war ich abseits der braven Pauschaltouristen und genoss in der wärmenden Mittagssonne den Anblick vorbeiziehender Wale, Delfine, einiger Meeresschildkröten, Stingrays und Tigerhaien, die da ihre Babystube haben.

Zu Fuß wanderte ich weiter am Strand bis zum Champagne Pools. Mit Schlüppi hüpfte ich ins erfrischend kühle und von Fischen besiedelte Nass, wieder ganz zur Verwunderung der Touris, die mit stilvoller Badebekleidung aufwarteten. Die Champagne Pools, touristisch, aber haisicher und mit von Muscheln übersäten Felsen, sind vom Ozean abgegrenzt.

Zwei weitere Kilometer Fußmarsch und ich war am Waddy Point, meinem Tagesziel angekommen. Ein magischer Ort. Ein Dutzend Stingrays trieben schwerelos in den Wellen, die das Ozeanwasser gegen das felsige Ufer am Waddy Point warf. Zwanzig Delfine tollten und jagten im Wasser, sprangen umher und schlugen mit ihren Schwanzflossen auf die Oberfläche. Buckelwale zogen vorbei. In der Ferne stiegen meterhohe Wassersäulen auf und die kraftvollen Blasgeräusche waren zu vernehmen. Ich wurde nicht satt, das Naturspektakel zu beobachten, musste mich sogar zwingen, einen ranger- u. dingosicheren Schlafplatz bei einsetzender Dunkelheit zu finden. Mein Zelt stand direkt an der Klippe des Waddy Points. Ringsherum errichtete ich einen Dingozaun aus alten Baumästen und genoss die letzten Sonnenstrahlen, die den Orchid Beach blutrot färbten.

DER „FRASER ISLAND GREAT WALK“ (Tag 4)

lake-garawongera-fraser-island Trekking Australien

Illegales Zelten am Lake Garawongera.

Die Nacht war wieder kalt und unbequem auf hartem, steinigem Boden. Ich konnte die Dingos hören. Konnte hören, wie sie um meinen Zaun schlichen. Wie sie versuchten, durch die spitzen und stachligen Äste zu kriechen.

Doch so unbefriedigend die Nacht war, so fantastisch war der einsetzende Tag. So möchte man geweckt werden: Du öffnest die Augen, schaust hinaus auf den South Pacific Ocean, erfreust dich an dem langsam am Horizont aufgehenden, goldgelben Feuerball und wirst von Walen und Delfinen begrüßt.

Vom Waddy Point bin ich über den festsandigen Orchid Beach gelaufen, vorbei an Dutzenden Anglern, die gerade ihre Motorboote ins Wasser ließen.

Im kleinen Resort füllte ich meine Wasserflaschen an der Service Station und schnackte mit der unfreundlichen Bedienung, die tatsächlich zwei Dollar für das Aufladen meiner Kamera verlangte. Mehr noch, sie verlangte, dass ich das Gelände verlassen sollte, bloß weil ich die Unverfrorenheit besaß, meinen mitgebrachten Apfel dort auf der Terrasse zu verzehren. Service Station Orchid Beach: 5 Minus für den Service.

Tipp Fraser Island Verpflegung (Geld sparen)

  • Auf Fraser Island sind Lebensmittel unverschämt teuer. Du zahlst circa das Dreifache im Vergleich zum Festland. Geh in Hervey Bay vorher im Woolworth Supermarkt oder in Rainbow Beach im IGA Supermarkt einkaufen.

Von dort stiefelte ich in einem großen Bogen die acht Kilometer über einen 4×4-Track zurück zum Indian Head, ließ mir noch mal von einer Gruppe Walen zuwinken und fuhr 40 Kilometer per Anhalter mit einem grauhaarigen Ehepaar aus Melbourne die Küste bis nach Happy Valley herunter.

Fraser Island Trekking: Queensland Great Walk Fraser Island

Da war ich, Happy Valley, kurz nach drei Uhr. Der Ausgangspunkt meines eigentlichen Fraser Island Abenteuers: der Queensland Great Walk Fraser Island.

  • 90 Kilometer quer durchs Inland.
  • Völlig selbstversorgend.
  • Sechs bis acht Tage, ohne Hilfe von außerhalb.
  • Allein
  • Mit gesamten Gepäck und Karte und Kompass.
  • Ohne Uhr oder Handy (nur die Natur und ich).

Laut Landkarte hatte ich sieben Kilometer bis zum nächsten See vor mir. Nicht viel Zeit, bevor die Sonne untergehen würde und so folgte ich den sporadisch mit kleinen grünen Blechschildchen versehenen Pfad, hastete dem Tageslicht hinterher.

Der Track ist kräftezehrend mit langen, nickligen Anstiegen über weichen Sand auf hügeligem Gelände. Umgestürzte Bäume und zugewachsene Wege erschweren das Vorankommen. Er war schlecht gepflegt und augenscheinlich wenig bis gar nicht frequentiert. Genau nach meinem Geschmack.

Bei mäßigem Restlicht erreichte ich Lake Garawongera, sah das wenig einladende Hiker’s Camp und beschloss, mein Zelt direkt, jedoch illegal, am See aufzuschlagen. In einem Radius von 30 Metern pinkelte ich an jeden Busch – ob das gegen die Dingos helfen würde – keinen Schimmer. Holz gab es jedenfalls keines, das ich für meinen Dingozaun (Patent angemeldet) nutzen konnte. Mit meinem Abendbrot, bestehend aus einem Apfel und einem Müsliriegel, legte ich mich nieder.

GEWALTMARSCH DURCH DAS „VALLEY OF THE GIANTS“ (Tag 5)

Dingos Fraser Island

Frische Dingo-Spuren im Sand

Dingos waren an meinem Zelt. Ich konnte ihr Getapse hören. Sie waren hungrig und rochen die Nahrung in meinem Rucksack, was uns zu Dingo-Regel Nummer eins bringt: Lagere keine Lebensmittel im Zelt! Leichter gesagt als getan. Zumindest weiß ich jetzt, dass mein Urin-Abwehrzaun nicht funktioniert. Ebenfalls als untauglich herausgestellt hatte sich meine Idee, keine drei Meter vom See entfernt zu zelten: Klitschnass vom Kondenswasser waren mein Zelt und Schlafsack.

Beim Frühstück machte ich Inventur und es dämmerte mir langsam, dass mein Essen niemals für die prognostizierten 6-8 Tage reichen wird. Ich hatte zehn Dosen Thunfisch (insgesamt 950g), 750 Gramm Äpfel, vier Nussriegel, 350 Gramm Burito-Brot und eine Tüte Mandeln. Es hieß Diät, Diät und nochmals Diät. Schlimmer noch, es hieß, schneller zu laufen und täglich mehr Kilometer zurück zu legen.

Als ich an diesem Tag 30 Minuten vor Sonnenuntergang am Lake Wabby ankam und mein Zelt in den Dünen aufbaute, schmerzte mir alles. Meine Oberschenkel wollten mir kaum gehorchen und schrien bei jeder Bewegung nach Stillstand.

Ich war 32 Kilometer gelaufen. Das Gelände war hügelig und jeder meiner Schritte wurde zur Qual. Ich hatte Hunger. Schleppte mich Kilometer für Kilometer vorwärts. Die 28 Kilo Gepäck machten sich mehr und mehr bemerkbar. Sie stauchten mich zusammen, rissen an meinen Schultern und drückten an der Hüfte. Ich merkte, dass mein linker Oberschenkel wieder taub wurde. Trotz all der Strapazen ist die Landschaft schier überwältigend. Alles erscheint grün im Dschungel-Look und ich durchquerte das Valley of the Giants. Ein Tal mit riesigen, dicken Bäumen mit über unfassbaren vier Metern im Durchmesser. Zudem kämpfte ich mich die Badjala Sandblows hoch, einer mehr als großen Wanderdüne.

Der Track fordert dir „Einiges“ ab, bietet viel, entschädigt für „Alles“.

Wandern auf Fraser Island

Das Einzige, was du hörst, ist der eigene Herzschlag auf harten, sandigen Anstiegen und die unberührte Natur, zwitschernde Vögel, zirpende Grillen, der Wind, der sich in den hochgewachsenen Bäumen verfängt und ein beruhigend sanftes Rauschen erzeugt, das nur unsanft vom Knarksen und Krachen aneinanderschlagender Äste und umstürzender Bäume unterbrochen wird. Wenn Ruhe einkehrte, hörte ich wilde Dingos. Ich sah sie nicht, gleichwohl knisterte das undurchsichtige Unterholz keine 50 Meter vom Track entfernt. Hielt ich an, verstummte das Rascheln. Lief ich weiter, schlichen auch die Dingos. Ein Erlebnis sondergleichen.

LAKE McKENZIE, DER OHRWURM EINES JEDEN FRASER ISLAND BESUCHERS (Tag 6)

Mein Dingozaun hatte versagt. Patent verschoben. Einer dieser putzigen Inselbewohner, der von meinem Essen im Rucksack angelockt wurde, hatte ein Schlupfloch im Zaun gefunden und die halbe Nacht am Rucksack im kleinen Vorzelt herumgenagt. Er ließ sich partout nicht vertreiben und so versuchte ich mit Taschenmesser im Anschlag, Schlimmeres zu vermeiden.

Wie sich am Morgen herausstellte, hatte er lediglich eine meiner gummierten Trekking-Wasserflaschen zerbissen. Ein Verlust, der eventuell noch große Auswirkungen haben sollte.

Lake McKenzie

Lake McKenzie Fraser Island Tour Backpacking

Lake McKenzie ohne Touris.

Vom Lake Wabby führte die nächste 13 Kilometer lange Sektion zum Lake McKenzie, dem Liebling aller Touristen. Doch vor dem Vergnügen steht der Schweiß. Und davon jede Menge. Ich fühlte mich nach dem gestrigen Gewaltmarsch schlapp und meine Muskeln schmerzten. Die ersten ernsthaften Blasen an den Fersen und einen Wolf hatte ich mir auch gelaufen. Die Diät machte sich bemerkbar. Meine Oberarme verloren an Volumen und die Hose fing an zu rutschen. Kein Wunder bei einem Verbrauch von circa 7.000 Kilokalorien und nur 1.000 Zufuhr. Lake McKenzie machte seinem Ruf jedenfalls alle Ehre und überzeugte mit klarem, blauen Wasser und einem weißen Pulversandstrand. Touristen tummeln sich dort in der Mittagszeit und werden zu Hauf von den Tourveranstaltern dorthin gekarrt.

Kleiner Tipp Lake McKenzie

  • In den frühen Morgenstunden hast du den Strand für dich allein und wirst höchstens von einem Goanna (Riesenechse) belästigt.

Bei Sonnenuntergang und nach 21 Kilometern Tagesleistung erreichte ich Central Station. Nicht weit entfernt vom Ranger-Hauptquartier, entdeckte ich einen verwahrlosten Campground. Dort schlug ich mein Zelt auf.

Fraser Island Wildzelten/ Wildcampen

Was ich bisher nicht erwähnt hatte, ist, dass das Campen auf der Insel nur auf ausgeschriebenen Campingplätzen erlaubt wird und im Vorfeld gebucht und bezahlt werden muss. Alle Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Geldbußen bestraft. Bla, Bla, Bla…. Ich wurde bisher noch nie erwischt und hatte auch zukünftig nicht vor, für ein läppisches Zelt zu bezahlen. Sogar wenn es „nur“ 5,50 Dollar pro Nacht sind. Wenn ich müde bin, schlag‘ ich mein Zelt auf, egal, wo. Ich lebe mit dem Risiko und es lebt sich gut damit.

DILLI VILLAGE: 21 KILOMETER BIS INS GLÜCK (Tag 7)

Goanna Fraser Island gefährliche Tiere

Goanna (Riesenechse) auf Fraser Island

Ein Wunder: Nachts hatte mich kein Dingo wachgehalten. Es regnete wie aus Gießkannen, aber ich hatte mit Abstand die beste Nacht auf Fraser Island. Besser noch, laut Wegweiser waren es 21 Kilometer bis zum Dilli Village, dem offiziellen Ende des Queensland Great Walk.

Eine Strecke, die ich möglicherweise, abhängig vom Gelände, an einem Tag schaffen sollte. Ein Fakt, der mein Herz höherschlagen ließ und meinen Magen in wahre Siegessprünge versetzte. Denn das hieß auch, das mein Vorrat nur noch für 1-2 Tage reichen musste. Es bedeutete, die Diät war vorbei. Ein üppiges Siegerfrühstück wartete auf mich, bestehend aus zwei Dosen Thunfisch auf Burito-Brot, zwei Händevoll Nüsse und einem Apfel.

Gut gestärkt konnte es in den verregneten Tag gehen. Alles war noch nass, als ich das Lager verließ. Es roch nach Frische. Unzählige Regentropfen fielen aus den 30 Meter hohen Baumkronen, erzeugten ein prickelnd, prasselndes Geräusch, das den gesamten Regenwald erfüllte. Die Tropfen sammelten sich an den Palmen, Farnen und Zweigen der Bäume, fielen zu Boden oder wurden von mir beim Durchlaufen abgeschüttelt, sickerten in den Pulli. Unverbrauchte Luft in einer natürlichen, unverbrauchten Umgebung. Nach 14 Kilometern erreichte ich Lake Boomanjin. Für mich war es der schönste auf dem gesamten Wanderweg, schöner noch als Lake McKenzie. Der Walking Track führt auf festem, weißen Sand um den See herum, das Wasser schimmert goldgelb und rotbraun.

Die letzten sieben Kilometer bis zum Dilli Village waren easy und ich erreichte es gegen drei Uhr Nachmittag. Mission Great Walk Fraser Island: done.

Dilli Village nach Rainbow Beach

In dreieinhalb statt der prognostizierten 6-8 Tage hatte ich den Trail allein bezwungen. Oder sagen wir, ich beendete einen faszinierenden Walk auf einer außergewöhnlichen Insel. Was nun? Hier übernachten zwischen den Dünen in der Nähe des Dilli Village – ein privater Campingplatz – oder weiter zum Südzipfel der Insel Richtung Fähre trampen? Der Zufall sollte entscheiden und so stapfte ich auf den Strand und riss meinen Finger in die Höhe. Das erste Auto, was entgegenkam, hielt an. War vollgepackt mit vier hübschen Französinnen auf dem Weg zur Fähre. Das Schicksal hatte entschieden. Die Mädels gaben mir einen Lift bis zur Fähre am Hook Point, ließen mich kostenlos im Auto übersetzen und chauffierten mich sogar bis in den nächsten Ort (Rainbow Beach).

Tipps Great Walk Fraser Island

  • Vom Dilli Village kannst du bis zur Fähre am Hook Point wandern (ca. 30 Kilometer).
  • Fast alle Trekker starten im Dilli Village, da dies deutlich einfacher zu erreichen ist und wandern bis Happy Valley.

FAZIT FRASER ISLAND

Fraser Island rockt! Eine Woche habe ich mich auf Fraser rumgetrieben, bin ca. 90-100 Kilometer gewandert und weitere 150 Kilometer getrampt. Dieser ganze Spaß hat mich lediglich 30 Dollar für die Fähre und 30 Dollar an Lebensmitteln gekostet. Ein unschlagbares Schnäppchen, verglichen mit einer gebuchten Tour im Bus (500 AUD, 3-4 Tage) oder gemieteten Geländewagen.

Zugegeben, meine Art zu reisen ist alles andere als stressfrei und definitiv nicht für jeden geeignet. Aber sie funktioniert und führt dich an Plätze, wo keine zeitgetriebene Pauschaltour hinkommt.

Sie lässt dich mit wildfremden Leuten in Kontakt kommen und zwingt dich ein ums andere Mal, deine Komfortzone zu verlassen. Sie gibt dir die Möglichkeit, dich und Fraser Island auf deine Weise zu erkunden.

Abgesehen davon, Fraser ist einzigartig. Wo sonst hast du all das auf einem Fleckchen komprimiert: Wale, Delfine, Haie, Dingos, Schlangen. Schlichtweg, die geballte Power an Wildlife, eingebettet in Dünen, Regenwald und in endlose Strände, umgeben von uferlosem Ozean.

Literatur Fraser Island

Ausrüstung Fraser Island (Empfehlungen)

Du möchtest mehr über meine Abenteuer in Australien lesen? Kein Problem, dieser Beitrag über Fraser Island ist ein modifizierter Ausschnitt aus meinem Buch DOWN UNDER: TAGEBUCH EINES RUMTREIBERS.

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